Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Abgehängte Regionen, entleerte Landstriche

Online-Atlas des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung informiert detailliert über regionale Ungleichheiten

Junge Menschen zieht es in die Städte, ländliche Regionen verlieren hingegen an Attraktivität. Wie sich Lebens- und Standortbedingungen unterscheiden, zeigt nun ein neuer Atlas im Internet.

In Deutschland herrscht große Ungleichheit. Differenzen gibt es aber nicht nur zwischen den sozialen Schichten. Auch viele Regionen entwickeln sich sehr unterschiedlich. So betrug das Durchschnittseinkommen der Beschäftigten in München im Jahr 2012 rund 3010 Euro. Damit belegte die bayerische Landeshauptstadt den Spitzenplatz in Deutschland vor Hamburg und der Region Rhein-Main. Deutlich geringere Chancen auf eine hohe Entlohnung haben die Menschen in vielen Gegenden Ostdeutschlands. Am niedrigsten ist der durchschnittliche Bruttolohn in der Altmark im Norden von Sachsen-Anhalt. Dort lag er vor drei Jahren bei etwa 1939 Euro.

Diese und viele weitere statistische Daten über Regionen in Deutschland und Europa finden sich im neuen Online-Atlas des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Dort lässt sich auch herausfinden, wo die meisten Ehen geschlossen werden und welche Kommunen die höchsten Schulden haben. Außerdem sind Daten über Renten sowie über die Verbreitung von Schulabschlüssen verfügbar. Vergleiche zwischen Stadt und Land sind ebenso möglich wie die Auswertungen nach Geschlecht und Alter. Vier Fünftel der Daten im Atlas stammen von den Statistikämtern, der Rest von anderen Behörden wie der Bundesagentur für Arbeit oder dem Kraftfahrt-Bundesamt.

BBSR-Direktor Harald Herrmann erklärte bei der Vorstellung des Atlanten am Montag in Berlin, dass besonders die Kluft zwischen den wachstumsstarken und den strukturschwachen Regionen sichtbar werde. Übersichtskarten zeigen zum Beispiel die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur zwischen 1995 und 2012. Auffällig ist, dass vor zwanzig Jahren zahlreiche Regionen in Ostdeutschland einen höheren Anteil an jungen Menschen in einem Alter von sechs bis unter 20 Jahren hatten als die meisten westdeutschen Gebiete. Inzwischen ist in vielen Landstrichen im Osten der Anteil der Jugendlichen von einst mehr als 18 Prozent auf weniger als zehn Prozent gesunken. Erklärungen hierfür sind die Abwanderung und der Geburtenrückgang aufgrund der gestiegenen Arbeitslosigkeit und fehlender Perspektiven.

In den vergangenen Jahren hat jedoch nicht nur eine Ost-West-Wanderung stattgefunden. Viele Menschen verlassen im gesamten Bundesgebiet ländliche Regionen und ziehen das Leben in einer Stadt vor. Hinzu kommt die Zuwanderung aus dem Ausland. Im Jahr 2013 waren 1,23 Millionen Menschen in die Bundesrepublik eingewandert, zugleich gab es 800 000 Fortzüge.

Den Trend, dass immer mehr Menschen vom Land in die Städte ziehen, könne man nicht aufhalten, lautete das Urteil der Wissenschaftler vom BBSR. »Einige Dörfer werden wohl in der Zukunft entvölkert sein«, prognostizierte Herrmann. Sein Institut, dessen Kerngeschäft die Politikberatung für die zuständigen Ministerien ist, entwickelt Ideen, wie trotz dieser Entwicklung im ländlichen Raum eine funktionierende Infrastruktur aufrechterhalten werden kann. Wenn etwa Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe fehlten, nannte Herrmann »mobile Geschäfte« als ein Beispiel, um den dortigen Einwohnern das Leben zu erleichtern.

Das gilt auch für Senioren. Der Anteil der Menschen, die 75 Jahre und älter sind, ist in den vergangenen 20 Jahren in vielen Gebieten bundesweit deutlich gestiegen. Ein wichtiger Grund hierfür ist die längere Lebensdauer. Die Lebenserwartung der Menschen in Ostdeutschland ist laut BBSR im vergangenen Jahrzehnt stärker gestiegen als im Westen. Bei den Männern erhöhte sie sich von 1995 bis 2012 um durchschnittlich 6,1 Jahre, im Westen nur um 4,6. Bei den Frauen waren es im Osten 4,4 Jahre mehr, in Westdeutschland 2,9. Die Lebenserwartung neugeborener Mädchen war 2012 demnach mit 82,6 Jahren fast genauso hoch wie im Westen mit 82,8. Bei den Jungen lag sie im Westen bei 78,2 Jahren, im Osten bei 76,9.

Der Atlas im Internet: www.inkar.de (Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung)

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln