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Preiskampf im Bestattungswesen

Weniger Sterbefälle in der Hauptstadt / Hinterbliebene sparen vor allem an der Trauerfeier

Die Hauptstadt wird immer jünger, die Lebenserwartung steigt. Die Bestatter-Innung spricht von gestiegenem Konkurrenzdruck - auch weil die Berliner weniger für Beisetzungen ausgeben wollen.

Die Bestatter in Berlin stehen unter einem immer größeren Konkurrenzdruck. Die Hauptstadt werde seit Jahren jünger, die Zahl der Sterbefälle gehe zurück, sagte der Obermeister der Berliner und Brandenburger Bestatter-Innung, Rüdiger Kußerow, der Nachrichtenagentur dpa. Zugleich steige die Zahl der Bestattungsunternehmen. Die Folge sei, dass es mehr Dumping-Angebote gebe. »Der Druck auf die Bestatter ist deutlich gestiegen«, berichtete Kußerow, der selbst ein solches Unternehmen führt. »Da werden viele kreativ und schließen zum Beispiel Verträge mit Altenheimen.« Andere, die sich im Auftrag großer Kliniken um Verstorbene kümmern, bieten Kußerow zufolge oft gleich vor Ort den Angehörigen ihre Dienste an.

In der Hauptstadt sterben nach Einschätzung des Obermeisters jeden Monat rund 2700 Menschen. 1990 seien es allein in Westberlin noch 3300 gewesen. In Berlin gibt es aktuell 300 Bestattungsfirmen. »In den vergangenen zehn Jahren ist ihre Zahl um etwa zehn Prozent angewachsen«, erklärte Kußerow.

Bei öffentlichen Ausschreibungen sei es keine Seltenheit, »dass Angebote unter dem Preis liegen, von dem man überleben kann«, erklärte der Obermeister. Hinzu komme, dass die Berliner weniger Geld für Bestattungen ausgeben möchten und teilweise auch nicht mehr ausgeben können.

»Wir haben jeden zweiten Tag eine Rundmail von Angehörigen an sämtliche Bestatter im Postfach, die fragen, wer am preiswertesten Beisetzungen anbietet«, berichtete Kußerow. Nach seiner Einschätzung achten die Berliner immer häufiger auf den Preis. »Hauptsächlich wird an der Trauerfeier gespart.« Vor ein paar Jahren sei es noch üblich gewesen, dass sich Angehörige nach der Beisetzung zu einem »Leichenschmaus« trafen. Das ist laut Kußerow heute nur noch selten der Fall. An Friedhöfen gebe es kaum noch Cafés.

Den gestiegenen Spardruck bekommt auch Michael Jagdt zu spüren. Er ist Geschäftsführer des Sargbau-Unternehmens Lignotec in Berlin - das nach eigenen Angaben größte dieser Art in Berlin und im Umland. Von den 25 000 Särgen, die der Betrieb jedes Jahr produziert, liegen 20 000 in der günstigsten Preiskategorie, erklärte Jagdt. Er sieht einen Grund für die Entwicklung im Wegfall der Krankenkassen-Unterstützung im Trauerfall. Vor der Wende hatten die Westberliner noch 4800 Mark Sterbegeld erhalten. »Wenn es heute noch 2400 Euro gäbe, wäre das deutlich mehr, als das, was für Bestattungen aktuell ausgegeben wird«, sagte Jagdt.

Gespart wird auch am Sarg. Nach den Worten Jagdts kommen viele in der Hauptstadt zu Grabe getragene Holzsärge aus Osteuropa. Diese Särge seien teilweise um 10 bis 15 Prozent günstiger als seine. Die Verarbeitung von Holz sei aber arbeitsintensiv, rechtfertigt Jagdt höhere Kosten. Sein Unternehmen hat in Berlin einen Marktanteil von etwa 25 Prozent. dpa

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