Manager übertriebener Erwartungen

Nach dem erneut frühen Saisonaus der Berliner Eisbären arbeitet Cheftrainer Uwe Krupp an einer besseren Zukunft

  • Von Kristina Puck und Jens Mende
  • Lesedauer: 3 Min.
Während in der DEL am Mittwoch die Viertelfinals beginnen, plant Eisbären-Trainer Uwe Krupp schon die Zukunft des früheren Vorzeigeklubs. Ein neuer Abschnitt seines Jobs in Berlin beginnt.

Seine persönliche Enttäuschung über das viel zu frühe Saisonende verdrängt Eisbären-Cheftrainer Uwe Krupp mit intensiver Arbeit. Entscheidend will der 49-Jährige eingreifen und über seine Mannschaft der Zukunft mitbestimmen. Statt Tag für Tag mit den Berliner Profis auf dem Eis zu stehen, widmet sich Krupp nun konzeptionellen Aufgaben. Er tüftelt an Trainingsplänen für den langen Sommer seiner Profis - und wird mit der Sportlichen Leitung zur Spielersichtung nach Nordamerika in den Flieger steigen.

»Das macht nicht jeder Trainer«, sagte Krupp mit Blick auf die Reisen über den Atlantik. Aber dafür sei ihm die Sache einfach zu wichtig. Quantität und Qualität sollen im Kader des Hauptstadtklubs erhöht werden. Ein drittes Desaster nacheinander soll mit aller Kraft vermieden werden. An dem Aus in den Pre-Playoffs werden die Profis Wochen, wenn nicht Monate zu knabbern haben, mutmaßte der Sportliche Leiter Stefan Ustorf. Erst einmal müssten die Köpfe wieder frei werden. »Diesen Luxus« könne er sich aber selbst nicht gönnen: »Die Arbeit hat sofort begonnen.«

Krupp wirkte schon zum Wochenbeginn überraschend gefasst und motiviert. Dabei hatte er bereits in den ersten drei Monaten seiner Amtszeit beim jahrelangen Dominator der deutschen Eishockeyszene die Folgen der Fehler in der Vergangenheit zu spüren bekommen. Das Selbstverständnis, stets ein Titelkandidat zu sein, konnten die Berliner nicht mehr umsetzen. Nicht mal unter den besten Acht mischen sie nun mit.

Die Strategieplanung für die Zukunft nimmt Krupp mit bescheideneren Ambitionen auf. »Es geht darum, nach zwei Jahren, in denen der sportliche Erfolg nicht so da war, wie wir uns das vorgestellt haben, einen Schritt nach vorne zu machen«, erklärte der Cheftrainer, der im vergangenen Dezember als großer Hoffnungsträger zu den Berlinern gestoßen war. »Im Idealfall ist das ein größerer Schritt, aber auf jeden Fall muss die Richtung stimmen.«

Wie hoch die Erwartungen nach sieben Meisterschaften zwischen 2005 und 2013 sind, weiß auch Krupp. »Du hast eine außergewöhnliche Situation hier bei den Eisbären Berlin, die nicht nachvollziehbar ist, außer wenn du Bayern München bist«, betonte der frühere NHL-Profi und Stanley-Cup-Sieger. »Die Erwartungen sind hoch, dass man auch diese Erwartungen managen muss, ist Teil unserer Aufgabe.«

Bei den Personalentscheidungen hat Krupp nicht das alleinige Sagen. Das laufe »immer über der Trainerposition«, stellte er klar. In enger Abstimmung mit Manager Peter John Lee und dem früheren Nationalspieler Ustorf werde zusammen entschieden. »Wir brauchen mehr Spieler, die uns helfen«, sagte Ustorf. »Vielleicht muss man sich Gedanken machen, wie viele Ausländer man für die Saison verpflichtet.«

Krupp will auch weiter auf junge Spieler setzen. Als Gewinner dieser Saison sieht er die Verteidiger Henry Haase (21), Jonas Müller (19), Kai Wissmann (18), Angreifer Sven Ziegler (20) und Torhüter Mathias Niederberger (22). »Das sind alles Spieler, die gezeigt haben, dass sie auch in Zukunft eine Rolle bei den Eisbären spielen könnten«, erklärte der frühere Bundestrainer. dpa

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