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Die Neun als Billignummer

Auch Bücher haben nun immer öfter krumme Preise

Man kennt das: Das Benzin mag gegenwärtig viel weniger als früher kosten, doch ohne die kleine hochgestellte 9 beim Preis pro Liter geht gar nichts, wenigstens nicht in Deutschland. Auch bei Lebensmitteln, Konserven oder Textilien ist die 9 fast immer dabei, an letzter Stelle und nicht so hochgerückt wie auf dem Tankstellenschild, bei Waschmaschinen und Tablets mischt die 9 ebenfalls gern mit, hier freilich als Euro. Dahinter stecken angeblich ausgetüftelte und vielfach getestete Strategien. Sie bauen auf die Kundschaft, die bei 499 Euro für einen Kühlschrank garantiert glaubt, dass der erheblich weniger koste als einer für 500 Euro.

Seit einiger Zeit hat der Glaube an die Billignummer 9 eine Branche erfasst, die dagegen immun schien: die weite Welt der Bücher. Irgendwann fiel es einem noch unbekannten Erfinder ein, Bücher für einen Preis zu verkaufen, der mit zwei Neunen endete. Das machte Schule, Buchkultur hin oder her. Egal, ob es sich vorneweg um 5, um 16 oder um 49 Euro drehte - bei den Cents wurde die Doppelneun schier unausweichlich. Zugegeben, das gilt (noch?) nicht für alle Verlage, aber das Dumping grassiert. Als Dumpitis infectiosa breitet es sich weiter aus und ist, sehr seuchengerecht, nur schwer zu bekämpfen. Doch es geht dabei nicht nur um etwas Ansteckendes, sondern ebenso um eine Beleidigung der doch eigentlich nicht ganz dummen Kunden. Nach seriöser Kalkulation sieht solch ein Dauerendbetrag nicht aus.

Nennen wir ein paar Daten. Bei Rowohlt stößt man weit über Neuerscheinungen wie »Narbenherz« und »Dornenkinder« sehr häufig auf die zweifache 9 und nur selten auf Centbeträge von 95 oder auf eine glatte Eurosumme; immerhin ist Hemingways Klassiker »Der alte Mann und das Meer« ganz altmodisch für runde zehn Euro zu haben. Beim Verlag C. H. Beck geht es am Schluss, welch ein Trost, fast immer um 95 Cent. Fischer dagegen will sehr oft vier Cent mehr, also auch etwas mit 99, siehe »Das Rosie-Projekt«, »Kurze Sätze für ein gutes Leben« und und und. Gleiches gilt für den Lübbe-Verlag mit Titeln wie »Das Bootshaus an den Klippen«, »Dein finsteres Herz« und Dutzende anderer.

Der Berliner Christoph Links Verlag hält sich viel lieber an die 90. Beim Aufbau-Verlag wiederum wird öfter etwas mit 99 notiert, so macht es auch Kiepenheuer und Witsch. Es gibt sogar Fachverlage, die einen edlen Titel nicht für 43 Euro, sondern für 42,99 Euro offerieren. Das ist ein Minus von gerade mal 0,03 Prozent - was für ein Schnäppchen! Da ist doch jeder dumm, der nicht zuschlägt!

Fragt man Verlage nach der Ursache solch krummer Beträge, kann man sich vor Antworten gut retten. Die Bereitschaft, dazu Schlüssiges zu sagen, ist begrenzt. Aus einem erfolgreichen Münchner Verlag, der nicht auf die 99 setzt, kommt immerhin diese ambivalent trostreiche Auskunft: »Das ist eben Käuferpsychologie, bekannt auch von Joghurts und Aldi. Nur intelligente Menschen regen sich drüber auf, handeln aber trotzdem meist verlässlich danach.« Na, das ist doch was - zum Weiterrätseln. Und zum Kaufen? Und zu dieser letzten Frage: Wenn einer der deutschen 99er-Verlage sein Buch auch in Österreich und der Schweiz anbietet und dort dafür etwas mehr nimmt, geht das dann ohne die 9 im Doppelpack? Es geht!

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