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Die Kühlerhaube voll im Bild

Drei Wochen »Newtopia« auf Sat.1.

Schöne neue Welt. Das merkt auch der Zuschauer. Wer in den Livestream des Sat.1-TV-Projekts »Newtopia« reinlugt, bekommt sofort den Werbespot eines großen japanischen Autoherstellers serviert, auch die Kameras auf dem Gelände mit der alten Scheune in Königs Wusterhausen fangen gerne mal den schwarzen Pick-up ein, gern auch ausschließlich den Ausschnitt mit der glänzend schwarz und silber verchromten Kühlerhaube des geländegängigen Gefährts.

Die schöne neue Welt, die sich die 15 Freizeit-Aktivisten in der über ein Jahr geplanten Sat.1-Show »Newtopia« aufbauen sollen, dient erst einmal dem Sender und seinem Umsatz. Denn wer es wagt, sich die frei zugängliche Folge vom Vorabend anzugucken und einfach ein paar Minuten vorzuscrollen, wird bei jedem Klick auf die Schiebeleiste wieder mit der Auto-Werbung für seine Eigeninitiative bestraft. Und gleich nach dem Autospot wird noch eine Bankwerbung nachgeschoben.

Drei Wochen läuft jetzt das Sozialexperiment, in dem laut Sat.1-Eigenwerbung die »Träume von einer besseren Welt auf die knallharte Realität« treffen. Wie ist die Resonanz? Sie ist weder herausragend noch schlecht. Nach einem guten Auftakt im Fernsehen flachte die Kurve jedoch ab. Knapp zwei Millionen Menschen schalten gegenwärtig die werktägliche Zusammenfassung aus dem von gut 100 Kameras überwachten Fernsehcamp ein, Montag waren es nur noch 1,64 Millionen. Der für den Sender wichtige Marktanteil bei Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren lag zum Ende vergangener Woche bei 12,3 Prozent, 12 Prozent waren angepeilt.

Das Netz macht durchschnittliches Aufhebens um die Befindlichkeiten und Versuche von 15 zusammengewürfelten Kandidaten, sich in einer neuen Ordnung zurechtzufinden. Rund 87 000 »Likes« hat sich die Facebook-Seite bislang eingehandelt, täglich werden rund 1000 Twitter-Tweets in die Netz-Welt geschickt, häufig angefeuert von der vom Sender und der Produktion verantworteten »Newtopia live«, um die Gemeinde zu binden und zum Klick auf die »Newtopia.de«-Seite zu bewegen. Die Inhalte: Es geht meist ums fernsehübliche Lästern, weniger um Visionen einer neuen Community.

Das Neue hat ja auch seine Grenzen: »«Newtopia» gibt zwar vor, ein unvergessliches Experiment zu sein, kombiniert jedoch bestehende Formatelemente«, sagt die Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher. »«Big Brother das Dorf» und das Dschungelcamp werden im deutschen Wald zusammengeführt. Das eigentliche innovative Experiment, einen neuen Staat zu gründen, lässt sich angesichts der vorhandenen Rahmenbedingungen nur schwer realisieren. Wie soll eine neue Gesellschaft funktionieren, wenn nach wie vor die Regelungen der bestehenden Gesellschaft in das Leben eingreifen?«

Damit trifft Bleicher tatsächlich die Argumentation des intern umstrittenen »Newtopia«-Kandidaten Candy (44). Der hat angekündigt, einen autonomen Staat gründen zu wollen. Zugleich fragte er aber vor der versammelten Gemeinschaft kritisch, wie das funktionieren solle, wenn in den Augen seiner Mitbewohner alles nur ein »Abklatsch« der bestehenden Bundesrepublik sein soll. dpa

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