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Rauchwolken und Nebelkerzen

Wolfgang Hübner über das mediale Bild der Blockupy-Proteste

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Es gibt ja kein noch so miserables Niveau, dass nicht noch unterboten werden könnte. Beispielsweise hält sich der Springer-Verlag für Diejenigen, die dem intellektuellen Geschwafel der »Bild«-Zeitung nicht folgen können, noch die »B.Z.«. Die titelte am Freitag »Terror ist unser Hobby« und meinte nicht etwa den Anschlag von Tunis mit über 20 Toten, sondern den Krawall beim Blockupy-Protest in Frankfurt am Main. Darauf muss man an so einem Tag erst mal kommen. Beinahe könnte man meinen, die »B.Z.«-Leute hätten zu viel Liebknecht gelesen (»Der Hauptfeind steht im eigenen Land!«), ihn aber falsch verstanden.

Das mediale und politische Ergebnis solcher Ausschreitungen wie am Donnerstag in Frankfurt am Main, von zersplitternden Schaufenstern und brennenden Autos ist fast immer das gleiche: Ordnungspolitiker rufen nach mehr Restriktion, Polizeichefs planen fürs nächste Mal (G7 in Bayern) noch eine Nummer schärfer und größer, der Anteil der Beamten am militanten Treiben wird kleingeredet oder gleich ganz beschwiegen - und vom eigentlichen Anliegen des Protests bleibt kaum etwas übrig. In der »Welt« etwa mokiert sich ein Leitartikler über die »Bürgerkinder« (woher weiß er das - hat er Straßenbefragungen durchgeführt?), die in der Bankenmetropole ihren Vandalismus ausgelebt hätten. Der Bericht über die Proteste trägt den Titel »Gewalt, Feuer und Hass in der Bankenstadt«; viele tausend friedliche Demonstranten kommen im größer Gedruckten nicht vor und treten hinter die »Zerstörungwut der Linksradikalen« zurück.

Ein Kommentator der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« unterstellt allen Gruppen des Blockupy-Bündnisses, also etwa auch der Linkspartei, Attac und SYRIZA, pauschal »ein Demokratieverständnis, das der parlamentarischen Demokratie feindselig gegenübersteht«. Und im »Tagesspiegel« werden linke Bewegungen wie SYRIZA aus Griechenland oder Podemos aus Spanien in eine Kiste mit den französischen Le-Pen-Nationalisten gesteckt, auf die man dann das Etikett »Extremisten, Populisten, Volksbeglücker« klebt.

So entsteht ein Bild von den Blockupy-Protesten, bei dem der Krisenkurs der EU und der Europäischen Zentralbank kaum noch eine Rolle spielt. Wo man sich über Rauchwolken aufregen kann, braucht man wegen der sozialen Katastrophe in Europa nicht mehr viel Worte zu verlieren. Diesen zweifelhaften Erfolg darf sichdann auch der kleine gewaltbereite Teil von Blockupy an seine Fahne heften.

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