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Ein gewagter Wechsel

Silvia Neid hört 2016 als Bundestrainerin der Fußballerinnen auf, DFB-Direktorin Steffi Jones übernimmt

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

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Nach elf Jahren hört Bundestrainerin Silvia Neid 2016 auf. Für die Zeit danach übergibt der DFB seine Fußballerinnen einer Trainernovizin, die nur zweite Wahl war.

Die größten Herausforderungen liegen noch vor ihr. Silvia Neid will die deutschen Fußballerinnen bei der Weltmeisterschaft in diesem Sommer in Kanada mindestens ins Halbfinale führen, um damit auch ihr letztes Ziel als Bundestrainerin zu erreichen - die Olympischen Sommerspiele. Die drei bestplatzierten europäischen Mannschaften bei der WM dürfen 2016 nach Rio de Janeiro fahren. Insofern überraschte ihre Rücktrittankündigung am Montag, anderthalb Jahre vor Ablauf ihres Vertrages beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Wesentlich überraschender aber war die Wahl ihrer Nachfolgerin. Steffi Jones, bislang DFB-Direktorin für Frauen- und Mädchenfußball, soll ab September 2016 die Nationalspielerinnen trainieren. Neid soll dann als Leiterin einer neu zu schaffenden DFB-Scoutingabteilung helfen, den Frauenfußball weiter zu professionalisieren.

Aber bis dahin sei sie voller Motivation, versicherte die Bundestrainerin Silvia Neid in Frankfurt am Main. Das glaubt man der 50-Jährigen aufs Wort. Denn sowohl mit der Weltmeisterschaft als auch mit Olympia muss sie noch ihren Frieden machen. 2011 war sie mit der Nationalmannschaft schon im Viertelfinale der WM ausgeschieden und hatte somit auch die Qualifikation für die Sommerspiele in London verpasst. Sie hatte den Tiefpunkt ihrer insgesamt so erfolgreichen Trainerkarriere erreicht. Eine nicht unwesentliche Rolle dabei spielten auch die übertriebenen Erwartungen bei der Heim-Weltmeisterschaft in Deutschland.

Aber 2011 war auch ein Wendepunkt für Silvia Neid. Aus dem Scheitern, aus Fehlern hat sie gelernt. Als sie 2013 mit der Nationalmannschaft die Europameisterschaft gewann, standen beim 1:0-Finalsieg gegen Norwegen vier Spielerinnen auf dem Platz, die 21 Jahre oder jünger waren. Beim Viertelfinalaus bei der WM zwei Jahre zuvor war es gerade mal eine. Auch Spielsystem und Philosophie änderte Neid nochmals und passte sich damit der Weiterentwicklung des Frauenfußballs an. Gerade die Japanerinnen, die die DFB-Elf 2011 aus dem Turnier schossen und Weltmeister wurden, aber auch die USA oder Frankreich hatten gezeigt, dass Spielwitz, Flexibilität und schnelles Passspiel dem kraftbetonten Zweikampffußball samt eindimensionalem Angriffsspiel überlegen war.

Ihre Fähigkeit und ihr Mut zur Veränderung haben sich gelohnt. 2013 wurde Neid zum zweiten Mal Welttrainerin. Auch ein Autoritätsverlust in den letzten anderthalb Jahren als Bundestrainerin ist deshalb gerade nicht zu befürchten. Und für ihre neue Aufgabe wird es ebenso nicht von Nachteil sein.

Ab September 2016 will der Deutsche Fußball-Bund dann neue Wege im Frauenfußball gehen. Die Veränderung bei der Nationalmannschaft wird besonders einschneidend. Einerseits, weil Neid dann nach insgesamt 34 Jahren -14 als Spielerin, 9 als Co-Trainerin und 11 als Bundestrainerin - nicht mehr da sein wird. Andererseits weil mit der 42-jährigen Steffi Jones eine vollkommen unerfahrene Trainerin übernehmen wird. »Steffi Jones war als verantwortliche DFB-Direktorin in den vergangenen Jahren ganz nah am Fußball dran. Wir sind davon überzeugt, dass sie die richtige Nachfolgerin ist«, verteilte Wolfgang Niersbach Vorschusslorbeeren. Ganz so überzeugt, wie der DFB-Präsident es am Montag öffentlich verkündete, kann er zumindest anfangs nicht gewesen sein. Seit Silvia Neids Entscheidung Anfang des Jahres endgültig fest stand, war der DFB auf der Suche nach einer Nachfolgerin. Und dabei zuerst auf Maren Meinert gestoßen. Welch große Wertschätzung die Trainerin der deutschen U 20-Fußballerinnen genießt, zeigte sich ebenfalls am Montag. Meinert erhielt - als erste Frau überhaupt - den Trainerpreis des deutschen Fußballs 2014.

Meinert aber hatte dem DFB abgesagt. Weil sie die große öffentliche Aufmerksamkeit nicht mag. Damit hat Steffi Jones keine Probleme. Als OK-Präsidentin der WM 2011 und als DFB-Direktorin ist sie zu einem der Gesichter des Frauenfußballs geworden. Und auch für markige Sprüche ist sie zu haben: »Ich möchte die erste Frau werden, die eine Männer-Bundesligamannschaft trainiert.« Das sagte Jones, nachdem sie 2007 in einem Kurzlehrgang für verdiente Nationalspieler ihren Trainerschein gemacht hatte. Ihren Traum konnte sie bislang nicht verwirklichen. Ganz im Gegenteil: Jones hat noch nie als Trainerin gearbeitet. Es ist ein gewagter Wechsel. Die Vertragslaufzeit von nur zwei Jahren für Jones lässt erahnen,. dass der DFB es ähnlich sieht.

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