»Warum bist du so nachtragend?«

Wer Kränkungen nicht vergessen kann, lebt in einer Welt voller Gefahren. Oft hat er gute Gründe dafür.

  • Von Wolfgang Schmidbauer
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Es gibt kaum eine menschliche Eigenschaft, die einen so schlechten Ruf hat wie das Festhalten an Kränkungen. Aber wer genauer hinblickt, versteht auch, warum es schwer ist zu vergeben und welche Bedürfnisse dieses »Nachtragen« erfüllt. »Nachtragend« ist ein anschauliches Wort, das es in den anderen europäischen Sprachen so nicht gibt. Wir tragen die Kränkung mit uns, bewahren sie auf, warten auf eine Gelegenheit, sie heimzuzahlen. Das ist lästig, hält die Arbeit auf, stört den Familienfrieden. Daher die Mahnung der Eltern an das beleidigte Kind, des Partners an sein Gegenüber, des Chefs an Mitarbeiter, die ihn mit gegenseitigen Vorwürfen belästigen: Seid nicht so nachtragend!

Freilich, wenn wir tatsächlich einen Schalter finden könnten, um das Nachtragende an unseren Mitmenschen auszuknipsen, würden wir nach einigen Erfahrungen doch wohl zögern, ihn zu bedienen. Denn wir brauchen den Mitmenschen, mit dem wir arbeiten, Liebe ma...


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