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An der Schwelle eines Aufstandes

Jean Ziegler prophezeit den Sturz der kannibalischen Weltordnung

Ein leiser Vorwurf: Das »neue deutschland« könne ihn öfters einladen, sagt Jean Ziegler mit schelmischen Blick – und meint es ernst. Auf der Leipziger Buchmesse war er Stargast am »nd«-Stand, der von aufmerksamen Besuchern dicht umringt war. Der Schweizer Soziologe (Jg. 1934), langjähriger Abgeordneter im eidgenössischen Parlament, UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und heute Vizepräsident des beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrates ist einer der berühmtesten Globalisierungskritiker und Autor zahlreicher Bestseller, u. a. »Die Schweiz, das Gold und die Toten«, »Das Imperium der Schande«, »Wir lassen sie verhungern«. Sein neues Buch ist eine Aufforderung zur Tat: »Ändere die Welt! Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen« (C. Bertelsmann, 288 S., geb., 19,99 €). Das Gespräch mit Jean Ziegler führte Karlen Vesper.

Professor Ziegler, Ihr neues Buch heißt »Ändere die Welt!«. Das erinnert mich an ein vor einigen Jahren erschienenes Essay des französischen Résistancekämpfers, Buchenwaldhäftlings und Mitautors der UN-Menschenrechtsdeklaration Stéphane Hessel: »Empört Euch!« Ihnen ist Empörung nicht genug, Sie rufen zur Tat, zum Sturz der »kannibalischen Weltordnung« auf. Was verstehen Sie darunter?

Die Weltordnung ist einerseits von einer unglaublichen Machtkonzentration in den Händen von wenigen Superreichen und andererseits vom Massensterben in der Dritten Welt gekennzeichnet. Die 500 größten transkontinentalen Privatkonzerne kontrollierten im vergangenen Jahr 52,8 Prozent des Weltbruttosozialproduktes. Sie haben eine Macht, politisch, ökonomisch, finanziell und ideologisch, wie sie noch kein König, kein Kaiser, kein Papst in der Geschichte der Menschheit je innehatte. Sie entfliehen jeglicher nationalstaatlicher, internationaler und gewer...


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