Von Martin Kröger

Behörden setzen auf veraltetes XP

Datenschützer: Verwaltung soll Windows-Rechner wegen Gefahr für Daten abschalten

Für eine Verlängerung der Unterstützung für PC-Systeme mit dem Betriebssystem Windows XP hat das Land Berlin 300 000 Euro bezahlt. Zum 14. April läuft der Support nach einer einjährigen Verlängerung aus.

In der Berliner Verwaltung werden immer noch Computer verwendet, die mit dem veralteten PC-Betriebssystem Windows XP laufen. Insbesondere in den Bezirken finden wohl Tausende der alten Rechner (siehe Kasten) noch Verwendung. Die Firma Microsoft stellte den offiziellen Support und Aktualisierungen des Programms bereits zum April vergangenen Jahres ein. Damit die Rechner einigermaßen sicher weiterlaufen können, wurde für 300 000 Euro eine sogenannte XP-Supportverlängerung vom Land Berlin eingekauft. Das geht aus der Antwort auf eine Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Simon Weiß (parteilos, für Piraten) hervor. An diesem Dienstag läuft aber auch diese Softwareunterstützung aus.

Berlins Datenschutzbeauftragter Alexander Dix forderte deshalb am Montag im »RBB-Inforadio«, dass alle alten Computer sofort abgeschaltet werden müssen, weil sonst die persönlichen Daten der Bürger unverantwortlichen Risiken durch Hackerangriffe ausgesetzt seien.

Auch die Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus schätzt die Bedrohung als durchaus real ein. »Ohne den Support gibt es auch keine Versorgung mehr mit Sicherheitsupdate«, sagt Simon Weiß. Mögliche in Zukunft auftretende Lücken würden deshalb nicht mehr geschlossen. Und gerade bei den Bezirken, die unter anderem das Meldewesen betreuen, liegen sensible Daten der Bürger, so Weiß.

Als Begründung für den auslaufenden Support führt die Verwaltung von Innensenator Frank Henkel (CDU) die dezentrale Organisation des IT-Einsatzes auf. »Aus dieser Organisations- und Verantwortungsstruktur folgt zwingend, dass es Aufgabe der jeweiligen Senats- und Bezirksverwaltung ist, in eigener Zuständigkeit auch die notwendigen Hard- und Software durchzuführen«, erklärt Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU). Eine Begründung, die Weiß so nicht stehenlassen will: »Angesichts der begrenzten Mittel der Bezirke, vor allem beim Personal, muss das Ganze zentral gesteuert werden.« Kommentar Seite 11

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