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Streik füllt Berlins Busse und U-Bahnen

Der Ersatzfahrplan der S-Bahn funktioniert und konnte ausgeweitet werden

Die Beteiligung am Streik der Lokführer war in Berlin geringer als erwartet. Die S-Bahn konnte mehr Züge einsetzen, trotzdem fielen einige Linien aus. Busse und U-Bahnen der BVG wurden deswegen voll.

S 5 nach Spandau in zwölf Minuten, verhießt die Anzeige auf dem Bahnhof Alexanderplatz. Für Anna Just-Bojba eine gute Nachricht. »Da kann ich ja direkt nach Hause fahren«. Aber die Freude war nur von kurzer Dauer, die Bahn fuhr doch nur bis Charlottenburg, wie bei der Einfahrt angezeigt wurde. Also wurde es wieder eine lange Tour mit etlichen Umstiegen für die Spandauerin, wie schon am Mittwochmorgen. »Obwohl ich auf den Streik eingestellt war, kam ich eine halbe Stunde zu spät zur Arbeit«, ärgerte sie sich.

Den Frust der Fahrgäste bekamen auch die Mitarbeiter in der Bahnhofsbäckerei zu spüren. »Die Leute haben richtig schlechte Laune und nicht mal einen Gruß für uns übrig«, sagte eine Verkäuferin. Und natürlich sei auch der Umsatz geringer. »Sonst ist der Laden hier immer voll, jetzt könnten wir hier eigentlich Pause machen, bis mal wieder eine Bahn kommt.«

Die meisten Reisenden nahmen den Streik allerdings gelassen. »Das muss heute mein Glückstag sein: Gerade bin ich pünktlich mit dem ICE aus Köln angekommen, und hier fahren sogar die S-Bahnen«, sagt eine Wissenschaftlerin, die dadurch locker ihren Termin in der Humboldt-Uni schaffte.

Das lag auch daran, das die S-Bahn im Laufe des Tages ihren Ersatzfahrplan ausweiten konnte. Die Züge der Linie S 5, die anfangs nur zwischen Strausberg und Alex verkehrten, konnten bis Friedrichstraße durchfahren, die Linie S 7 wurde bis Charlottenburg verlängert und endete im Osten auch nicht mehr in Marzahn, sondern in Ahrensfelde. Die S 1 verkehrte im Norden nicht nur zwischen Oranienburg und Gesundbrunnen, sondern bis Wedding. Auf allen Rumpflinien gilt allerdings weiterhin nur ein 20-Minuten-Takt. Auf der Ringbahn sowie die Linien S 75, S 8 und S 85 fahren keine Bahnen.

Es seien mehr Lokführer zum Dienst erschienen als erwartet, erklärte ein Bahnsprecher die Situation. Dadurch konnten auch mehr Züge fahren, als im Ersatzfahrplan vorgesehen. Statt der geplanten 30 Prozent wurden etwa 35 Prozent des regulären Angebots aufrechterhalten. »Der Ersatzfahrplan funktioniere verlässlich und werde gut angenommen«, so der Sprecher. Ähnlich sei dies auch beim Regionalverkehr, wo zum Beispiel bei den Linien RE 1 und RE 5 mehr Züge eingesetzt werden konnten. Ob das auch heute so bleibt, hängt laut Bahn von der Streikbereitschaft der nächsten Schicht ab. »Die Bahn tut jedenfalls, was sie kann, um die Folgen für die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten«, lobte Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB.

Viele Reisende mussten allerdings auf Busse und Bahnen der BVG umsteigen, besonders im Berufsverkehr wurde es in ihnen entsprechend ungemütlich. »Wir hatten 60 bis 70 Prozent mehr Fahrgäste«, sagte Sprecherin Petra Reetz. Besonders Busse waren häufig überfüllt. Weil sich dadurch das Ein- und Aussteigen verzögerte und zudem die Busse häufig im Stau standen, kam es zu Verspätungen von bis zu 48 Minuten. Auch Straßen- und U-Bahnen konnten nicht immer alle Fahrgäste aufnehmen. Besonders angespannt war die Situation im Berufsverkehr auf den Linien U 2, U 5, U 6 und U 8. »Der Bahnhof Alexanderplatz der U 2 war zeitweilig so voll, dass niemand mehr auf den Bahnsteig passte«, so Reetz. Die BVG versucht, auf den Ansturm mit dem Einsatz längerer Busse und zusätzlicher Bahnen zu reagieren. »Wir fahren alles, was da ist«, so Reetz. Aber die Takte seien teilweise schon so dicht, »da passt nichts mehr dazwischen«.

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