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Anschlag in Paris knapp vereitelt

Islamistischer algerischer Student plante offenbar Attentate auf Kirchen

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 2 Min.

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Drei Monate nach den islamistischen Terroranschlägen von Paris, die 17 Menschenleben forderten, ist am vergangenen Sonntag offenbar nur knapp ein weiteres Attentat vereitelt worden.

Eine oder zwei Kirchen im Pariser Vorort Villejuif waren das Ziel eines schwer bewaffneten islamistischen Attentäters, wurde am Mittwoch bekannt gegeben. Unmittelbar vor dem Anschlag auf die Gläubigen während der sonntäglichen Messe hatte der Täter - wohl um sich ein Fluchtauto zu beschaffen - in Villejuif die 32-jährige Sportlehrerin Aurélie Châtelain erschossen. Das ergaben Blutspuren vor Ort. Dabei hatte er sich offenbar aus Ungeschicklichkeit mit seiner eigenen Waffe an der Hüfte verletzt. Er rief selbst den Notarzt, der wegen der Schussverletzung umgehend die Polizei alarmierte. Die nahm den Schützen fest und identifizierte ihn als den 24-jährigen algerischen Studenten Sid Ahmed Ghlam, dessen Familie im zentralfranzösischen Saint-Dizier lebt und der in Paris an einer privaten Informatikschule studiert.

Bei der Durchsuchung seines Autos und seines Zimmers in einem Pariser Studentenheim fand die Polizei zahlreiche Feuerwaffen, darunter vier Maschinenpistolen vom Typ Kalaschnikow. Aus Notizen und Skizzen sowie Texten in seinem Computer geht hervor, dass er per Internet im engen Kontakt mit einer Person des »Islamischen Staates« in Syrien stand und von dieser auf christliche Kirchen als Ziele von Anschlägen gelenkt wurde.

Der Täter, der sich gegenwärtig noch unter Polizeiaufsicht in einem Pariser Krankenhaus befindet, hat jede Aussage verweigert. Wie Innenminister Bernard Cazeneuve mitteilte, war Sid Ahmed Ghlam zwar nicht vorbestraft, aber den Sicherheitsorganen bereits aufgefallen und zeitweilig überwacht worden. Das war beispielsweise 2014 der Fall nach einem zehntägigen Aufenthalt in der Türkei, von wo aus er Kontakt nach Syrien gesucht haben könnte. Da man jedoch keine konkreten Anhaltspunkte oder gar Beweise fand, wurde seinerzeit kein Ermittlungsverfahren eröffnet.

»Eine Kirche zum Ziel zu nehmen, ist ein Anschlag auf ein Symbol und einen Wesenszug Frankreichs«, erklärte Premierminister Manuel Valls, der zusammen mit Innenminister Cazeneuve den beiden als Ziel ausgewählten Kirchen in Villejuif einen demonstrativen Besuch abstattete und in diesem Zusammenhang mitteilte, dass seit Anfang des Jahres mindestens fünf Attentate verhindert werden konnten. Der Regierungschef kündigte eine Verstärkung der Absicherung besonders gefährdeter religiöser Einrichtungen an, zu denen außer Synagogen und Moscheen auch Kirchen gehören. Es sei jedoch unmöglich, vor jede der mehr als 45 000 Kirchen in Frankreich einen Polizisten zu stellen, räumte er ein. Bisher gab es speziellen Polizeischutz für rund 200 stark besuchte Gotteshäuser, darunter die Pariser Kathedrale Notre-Dame. Sie zählt pro Jahr mehr als 14 Millionen Besucher und ist damit das am stärksten frequentierte Kulturdenkmal des Landes.

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