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Von der CDU-Bühne zur Werbe-Marke

Die »Heimattage« in Baden-Württemberg wurden als politisches Instrument geschaffen, heute geht es um Marketing

  • Von Anika Greve-Dierfeld,
Bruchsal
  • Lesedauer: 3 Min.

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Jedes Jahr richtet eine Südwest-Kommune die Heimattage Baden-Württemberg aus. Die sind beliebt und gut fürs Image. Entstanden sind sie seinerzeit vor allem als Bühne für die einst übermächtige CDU.

Was ist eigentlich Heimat? Für uns zum Beispiel Spargel, antwortet die Stadt Bruchsal und hat als diesjähriger Ausrichter die Heimattage 2015 unter das Motto »450 Jahre Spargel in Baden« gestellt. Seit 1978 übernimmt alljährlich eine Gemeinde im Südwesten die Organisation der Heimattage und gibt jeweils sehr regionale Antworten auf die Frage nach der Heimat. Auch in Bruchsal ist das Programm bunt und umfasst Musik, Sport, Theater und Veranstaltungen zum 70. Jahrestag der Zerstörung der Stadt.

So viel Vielfalt war beileibe nicht immer. Wie es zu den Heimattagen kam - der frühere Regierungssprecher und Buchautor Manfred Zach hat ihre Geburtsstunde erlebt und führt sie auf die politischen Verhältnisse Ende der 1970er Jahre zurück. »Die CDU hatte 1976 einen phänomenalen Wahlerfolg mit 56,7 Prozent der Stimmen«, erzählt er. »In dieser Euphorie des vermeintlichen Einsseins der CDU mit dem Land Baden-Württemberg überlegte man sich, wie das noch sinnfälliger zum Ausdruck gebracht werden könnte.«

Die Idee der Heimattage war geboren - »unbestreitbar war der Auslöser ein parteipolitischer«, sagt Zach. In den ersten Jahren fungierten die Heimattage als eine Art politische Plattform, auf der sich die CDU unter dem damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth selbst feiern konnte.

»Die Veranstaltung konzentrierte sich damals auf ein paar wenige Tage rund um den ›Tag der Heimat‹ im September«, sagt Andreas Schüle, beim Staatsministerium zuständig für das Landesmarketing. Mit den Jahren wurden die Heimattage ausgeweitet - auf inzwischen mehrere Monate. »Im Lauf der Zeit emanzipierten sich die Heimattage von der Politik und wurden eigenständiges Anliegen der Kommunen«, sagt Zach.

Der Begriff »Heimat« wird seither mit vielfältigen Inhalten gefüllt. »Wichtig ist, dass wir mit den Heimattagen bei den Baden-Württembergern Werbung für ihr eigenes Land machen«, erklärt Schüle. Die ausrichtenden Städte sind dabei inzwischen sehr frei in der Gestaltung, erklärt Doris Meergraf vom Arbeitskreis Heimatpflege am Regierungspräsidium Karlsruhe.

Von Aalen bis Wertheim - über 50 Gemeinden, meist alleine, manchmal zu mehreren, haben in den vergangenen 37 Jahren mitgemacht. Ob die Heimattage für die Kommunen ein finanzielles Plus- oder Minusgeschäft sind, ist eher zweitrangig. »Mir ist in den letzten zehn, zwölf Jahren aber noch nie zu Ohren gekommen, dass die Kosten aus dem Ruder gelaufen seien«, sagt Schüle. Die Gemeinden profitieren jedenfalls vom Imagegewinn, so der Eindruck beim Städte- und Gemeindetag. »Die Heimattage sind eine richtige Marke geworden«, sagt eine Sprecherin.

Wer den Zuschlag hat, bekommt rund 155 000 Euro vom Land; steuert die gleiche Summe aus dem Stadtsäckel bei und wirbt weiteres Geld ein. In Bruchsal stehen für dieses Jahr 750 000 Euro zur Verfügung; in Waiblingen waren es im Vorjahr rund 900 000. »Wir sind noch immer begeistert und beseelt«, sagt ein Stadtsprecher im Rückblick. Die meisten Veranstaltungen waren ohne Eintritt, den Eigenanteil hat die Stadt fast wieder hereingeholt.

»Für uns ist es eine Investition in unser Image«, sagt Fabian Heretsch von der Geschäftsstelle Heimattage in Bruchsal. An diesem Wochenende erwartet die Spargelmetropole rund 30 000 Besucher zum Baden-Württemberg-Tag, dem traditionellen Auftakt der Heimattage. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wird erwartet.

An Bewerbern für die Heimattage, die in Vierjahreszyklen vergeben werden, mangelt es nicht. Bis 2018 stehen die ausrichtenden Städte schon fest. Wer zwischen 2019 und 2022 die Gastgeber sind, wird im Juni bekannt gegeben. Beworben haben sich zehn Städte - ähnlich wie in den Jahren zuvor. Das Interesse sei über die Jahre gleichbleibend hoch, heißt es aus dem Staatsministerium. dpa/nd

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