Fischer retten rund 80 Flüchtlinge vor Tunesien

Roter Halbmond: »Strom der Migranten reißt nicht ab« / Vatikan kritisiert EU-Pläne gegen Schlepperboote / Europol will stärker gegen Schleuser im Mittelmeer vorgehen

Update 7.35 Uhr: Tunesische Fischer haben auf dem Mittelmeer etwa 80 in Seenot geratene Migranten gerettet. Die Menschen waren von der libyschen Küste in Richtung Europa gestartet, teilte die Hilfsorganisation Roter Halbmond am Freitag mit. »Der Strom der Migranten scheint kaum abzureißen«, sagte Mongi Slim, ein Vertreter der Organisation in der Hafenstadt Zarzis im Südosten Tunesiens, der Nachrichtenagentur AFP. Bereits Mitte April waren vor Tunesien 178 Migranten in Seenot gerettet worden, 169 weitere im Laufe des März. Laut Slim und einem Mitarbeiter der Küstenwache, der anonym bleiben wollte, brachten die Fischer die Migranten mit drei Schiffen in Sicherheit, nachdem deren Boot auf offener See in Schwierigkeiten geraten war. Den Angaben zufolge starteten die Flüchtlinge ihre Überfahrt im libyschen Zuwara, etwa 60 Kilometer östlich der tunesischen Grenze.

Vatikan kritisiert EU-Pläne gegen Schlepperboote

Berlin. Die Pläne der Europäischen Union zur militärischen Zerstörung von leeren Flüchtlingsbooten der Schlepper werden vom Vatikan scharf kritisiert. Der Präsident des Päpstlichen Migrantenrates, Kardinal Antonio Maria Vegliò, erklärte am Freitag, eine solche Aktion sei unvereinbar mit dem Völkerrecht und Bombardieren sei eine Kriegshandlung. »Was wollen sie bombardieren?«, fügte er hinzu. »Nur die kleinen Boote der Migranten? Wer gewährleistet, dass nicht auch Menschen in der Nähe getötet werden?« Der Kurienkardinal sagte dem italienischen bischöflichen Pressedienst SIR außerdem: »Solange es Kriege gibt, Diktaturen, Terrorismus und Elend, solange wird es Flüchtlinge geben, die dahin gehen werden, wohin sie gehen können.«

Der französische Präsident François Hollande hatte am Donnerstagabend nach dem Brüsseler EU-Sondergipfel zur Flüchtlingskrise angekündigt, sein Land werde einen Resolutionsentwurf im UN-Sicherheitsrat einbringen, damit dieser einer Zerstörung der Boote in einer Militäraktion zustimme. Zu der Militäraktion soll die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini »umgehend mit Vorbereitungen« beginnen, heißt es in der Schlusserklärung des Gipfeltreffens.

Die europäische Polizeibehörde Europol bekräftigte unterdessen, dass sie künftig eine »größere Rolle« beim Kampf gegen Schleuser im Mittelmeer spielen will. Europolchef Rob Wainwright sagte in Bukarest, entsprechend den Vorgaben des EU-Gipfels sollten Polizeiexperten sich unter anderem in Griechenland und Italien mit dem Problem befassen.

Dagegen hat angesichts der jüngsten Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer Kardinal Reinhard Marx verstärkte Anstrengungen in der Integrations- und Asylpolitik angemahnt. »Die aktuelle Flüchtlingssituation ist für uns alle beschämend, ein Skandal«, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Freitag laut Mitteilung bei einem Gottesdienst in München. »Wir können nicht alle aufnehmen«, stellte Kardinal Marx mit Blick auf die zahlreichen Flüchtlinge in aller Welt klar. »Aber niemand soll, wenn er zu uns kommen will, Gefahr laufen, zu sterben. Das müssen wir sofort ändern. Wir brauchen legale, sichere Wege nach Europa.«

Angesichts der weiter steigenden Flüchtlingszahlen stehe Europa, aber auch Deutschland, vor einer »riesigen Aufgabe«. Es gelte, »eine Gesellschaft aufzubauen, in der sehr viele, sehr unterschiedliche Menschen zusammenleben können«. Agenturen/nd

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