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Zu wenig zum Leben

Jobcenter zahlten im Jahr 2014 jeden Monat fast sieben Millionen Euro als Notdarlehen an Erwerbslose

Hartz-IV-Bezieher müssen immer öfter auf Darlehen zurückgreifen, um alltägliche Dinge bezahlen zu können. Und auch Erwerbstätige kommen mit ihrem Einkommen oft nicht aus.

Dass die Regelsätze für Hartz-IV-Bezieher nicht üppig bemessen sind, ist keine neue Erkenntnis. Aktuelle Zahlen zeigen jedoch, wie prekär die Lage vieler Erwerbsloser tatsächlich ist: Weil die monatlichen Leistungen der Jobcenter für den Kauf etwa eines neuen Kühlschrankes nicht ausreichen, sind immer mehr Bezieher auf Darlehen angewiesen. Dafür müssen sie einen »unabweisbaren Bedarf« nachweisen. Eine bundesweite Vorschrift, was als solcher gewertet wird und in welcher Höhe Darlehen gewährt werden, existiert jedoch nicht. Durchschnittlich 18 700 Menschen im Monat bekamen 2014 ein Darlehen von der Bundesagentur für Arbeit - insgesamt zahlten die Jobcenter jeden Monat fast sieben Millionen Euro. Das geht aus der Antwort der Behörde auf eine Anfrage der LINKEN-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Seit 2010 stieg die Zahl der Darlehen um fast 21 Prozent. Gezählt wurden nur genehmigte Fälle, wie viele Anträge es insgesamt gab, wurde nicht mitgeteilt.

Auch die Höhe der Darlehen stieg an: 2014 waren es im Schnitt 365 Euro; 2010 hatte der Betrag bei 259 Euro gelegen. »Durch die steigende Gewährung der Darlehen erbringt das Hartz-IV-System selber den Beweis, dass die Regelleistung prinzipiell viel zu niedrig angesetzt ist«, fasst Zimmermann zusammen.

Doch wer denkt, die Darlehen würden die Lage Erwerbsloser verbessern, liegt falsch: Zwar sind die Zuschüsse zinsfrei, sie müssen aber vom normalen Regelsatz zurückgezahlt werden. Zehn Prozent werden jeden Monat abgezogen, bis das Darlehen getilgt ist.

Dieser Betrag stehe für regelmäßige monatliche Ausgaben dann nicht zur Verfügung und verschärfe die prekäre Situation der Betroffenen zusätzlich, so Zimmermann. Da es unmöglich sei, aus dem Regelsatz Rücklagen zu bilden, müsse er unverzüglich angehoben werden, forderte sie.

Auch viele Beschäftigte haben nicht zwangsläufig genug Geld, um ihren Lebensunterhalt zu sichern: Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden vom Mittwoch hat sich die Zahl der Menschen mit einem Zweitjob in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. 2014 hatten rund zwei Millionen Beschäftigte mindestens zwei Arbeitsstellen. Das waren fünf Prozent aller Erwerbstätigen - knapp 13 Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Insbesondere Frauen gingen mehreren Beschäftigungen nach. Sie arbeiten deutlich häufiger als Männer in Teilzeit, das Einkommen aus solch einer Arbeit reicht aber oft nicht aus.

Eine repräsentative Studie des Onlinenetzwerkes Xing bestätigt die prekäre Situation vieler Beschäftigter: Nur 46 Prozent erklärten, von ihrem Gehalt »gut leben« zu können, nicht einmal jeder Dritte (29 Prozent) glaubt, dass er vom Lohn eine Familie ernähren kann. Bei den Frauen sind es mit 16 Prozent noch weniger. Unerfüllbar bleibt da wohl der Wunsch nach weniger Wochenarbeitsstunden, den die Mehrheit der Befragten in der Studie äußerte.

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