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Herr Gauck, als was arbeiten Sie eigentlich?

  • Von Andreas Gläser
  • Lesedauer: 3 Min.

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Über die Finanzierungsmodelle eines bedingungslosen Grundeinkommens haben sich einige kluge Köpfe selbige fast zerbrochen und ihre Ideen der lieben Tante Google zur Weiterverbreitung anvertraut. Dass genügend Gelder sonstwo verschwendet werden, ist bekannt. Dennoch müssen in unserer Hamsterradrepublik viele Menschen davon ausgehen, zeitlebens per prekärem Verhältnis am Rotieren zu sein. Fachkräfte zu Flaschensammlern! Und da im Zusammenhang mit dem bedingungslosen Grundeinkommen oft die Frage aufkommt, ob genügend Menschen die nötigen Arbeiten verrichten würden, kann ich nur sagen: Derzeit üben viele Arbeitswillige und entsprechend Ausgebildete diverse nötige Tätigkeiten nicht aus, weil der potenzielle Arbeitgeber, meinetwegen auch die Gesellschaft, dafür keine Gelder bereithält.

Ich habe eine Ausbildung als Betreuungsassistent hinter mir und könnte mich mit an Demenz erkrankten Menschen beschäftigen. Aber wie viele Berliner Seniorenheime können und wollen sich diese vermeintlichen Bespaßer in der nötigen Anzahl leisten? Meine drei Einrichtungen im Umkreis von zehn Fußwegminuten jedenfalls nicht. Wo vier Ausgebildete erwartet werden dürfen, hat ein fest angestellter Betreuungsassistent, der beim Jobcenter aufstocken muss, drei mäßig motivierte MAE-Leute (MAE = Mehraufwandsentschädigung), die vielleicht gar nicht auf Demenzkranke losgelassen werden sollten, unter seiner Fuchtel; zumindest nach meiner praktischen Erfahrung.

Auch dass Leuten, die in einem festen Arbeitsverhältnis stehen, sich jedoch nach einer anderem Firma umsehen, von Vermittlern oft keine Informationen über potenzielle Arbeitgeber gegeben werden, will nicht auf meine Begeisterung stoßen. Sein Geheimnis würde der Vermittler wohl nur preisgeben, wenn der Interessierte ihm dafür seine Urlaubsersparnisse gäbe. Den von der Gesellschaft finanzierten und vom Jobcenter auszuhändigenden Vermittlungsgutschein kriegt er ja nicht, wenn der Arbeitsuchende schon Arbeit hat.

Ich bin Schreiberling, habe einige Bücher veröffentlicht und 1001 Lesung absolviert. Das ist meine Berufung, von der Bar bis zur Bahre, so lange sich einige Zuhörer unterhalten fühlen. Doch die uncoole Arbeitswelt der Pfaffen und Waffenproduzenten bremst mich im eigentlichen Schaffensprozess zu oft aus. Anstatt hier wöchentlich eine neue Kolumne abzuliefern (und anderswo einen Roman, den Meilenstein in der Kommunikationsgeschichte der Menschheit), schmuggele ich jeden zehnten Freitag aus purer Zeitnot einen älteren Text ein - und der Roman, nun ja. Denselben Stellenwert, den die Literatur bei meinen Verbündeten und mir hat, messen andere Menschen berechtigterweise der Pflege ihrer Familienangehörigen oder dem Nachgehen ihrer Wald- und Wiesenforschung bei - von denen doch nicht zuletzt die Gesellschaft profitiert. Frau Merkels Truppe ist schuld, wenn einheimische Dichter und Denker den armen Flüchtlingen die Arbeit wegnehmen.

Andreas Gläser ist Arbeiter und Autor. Immer freitags erscheint - online und auf der Berlin-Kultur-Seite - seine nd-Kolumne »Gläsers Globus«.

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