Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Wen Jiabao auf Europatour

Chinas Premier in Deutschland auf der Suche nach guten Geschäften

  • Von Anna Guhl, Peking
  • Lesedauer: 3 Min.
In China gibt er sich gern als Premier des Volkes. Er ist für seine Nähe zur arbeitenden Bevölkerung bekannt: mal isst er mit Bergleuten unter Tage, mal sieht er in den Hütten armer Bauern nach dem Rechten. Dass er auf dem internationalen Parkett ebenso zu Hause ist, demonstriert der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao zurzeit auf seiner Europatour.
Neben der Teilnahme am 9. EU-China und am 6. EU-Asien-Gipfel in Helsinki standen für Wen in den vergangenen Tagen noch Gespräche mit den politischen Spitzen in Finnland und in Großbritannien auf dem Programm. Ab heute ist er in Deutschland. Der Ministerpräsident wird zunächst am »Hamburg Summit« unter dem Motto: »Europe meets China« der Hamburger Handelskammer teilnehmen und bei einem kurzen Abstecher in Berlin Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen. Selbstbewusst und nachdrücklich in der Sache, zugleich gewandt und verbindlich im Ton - Wen Jiabao weiß, auch in Europa ist die weitere Gestaltung der Beziehungen zu seinem wirtschaftlich boomenden und politisch erstarkenden Land ein wichtiges Thema. Europa kommt an China nicht mehr vorbei. Auch wenn die Befürchtungen über nicht mehr zu bändigende Warenströme immer lauter werden. Doch wie reagieren? Mehr als 90 Prozent aller Anti-Dumping-Verfahren gegen China werden von Europa aus eröffnet. Während Länder wie Italien und Spanien Sanktionen verlangen, beispielsweise bei den Schuh- und Textil-importen, halten andere europäische Staaten, auch Deutschland, gar nichts davon, weil es eben den eigenen Interessen widerspricht. Der Warenaustausch ist in den letzten Monaten um mehr als 20 Prozent gestiegen, und China kann bis Ende dieses Jahres zum größten Handelspartner der EU noch vor den USA werden. Aber auch im internationalen politischen Dialog braucht Europa China immer öfter, wenn es sich nicht ganz von den USA vereinnahmen lassen will. Der EU-China- Gipfel in Helsinki am letzten Sonnabend war geprägt vom beiderseitigen Bemühen, die Stärken des jeweiligen Partners als Chance für die zukünftigen Beziehungen zu nutzen. Die strategische Partnerschaft soll ausgebaut werden und mehr als nur Handel und Investition umfassen. Ausgewogen und mit gleichem Marktzugang, so die Europäer, müssen Kooperationen voran getrieben werden; sie hoffen auf den schnellen Zugang zum chinesischen Dienstleistungssektor. Doch der chinesischen Forderung nach Anerkennung des Marktwirtschaftsstatus wurde nicht entsprochen. Auch das seit Juni 1989 bestehende Waffenembargo bleibt bestehen. Erst müssten spürbare Verbesserungen in der Menschenrechtssituation vorgewiesen werden, hieß es. Damit zeigte sich die EU zwar erstaunlich geschlossen. Doch erreicht hat sie auf chinesischer Seite recht wenig. Denn auch Wen blieb bei seiner Position: Mit ihm könnten zwar alle Themen diskutiert werden, auch die Menschenrechtslage und demokratische Reformen im Land. Doch bitte schön einzeln, und nicht in direkter Verbindung miteinander. Damit ist auch der politische Rahmen für die Gespräche in Berlin vorgegeben. Ohnehin soll es in Deutschland mehr um wirtschaftliche und soziale Themen gehen. Vereinbarungen über die Zusammenarbeit im Umweltschutz, zu Fragen des Klimawandels, der soziale Absicherung und zum Jugendaustausch sollen abgeschlossen werden. Über Bedeutung und wesentliche Inhalte der zukünftigen bilateralen Beziehungen hatten sich beide Regierungschefs bereits vor gut drei Monaten bei Frau Merkels Antrittsbesuch in Peking verständigt. So werden heute in Hamburg vor allem Wirtschaftsverbände und Unternehmen das Sagen haben. Hier können sich die deutschen Firmen auch wieder überlegen fühlen. Denn viele blicken bereits auf einen erfolgreichen Markteintritt in China zurück und schreiben inzwischen tiefschwarze Zahlen. Da wollen chinesische Unternehmen in Deutschland erst noch hin. Bisher investiert die chinesische Wirtschaft vor allem in Ländern der Dritten Welt.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln