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Keine Angst um den Wolf

Das Theaterstück »Der kleine Oger« vergibt viele Chancen bei wichtigem aktuellen Thema

  • Von Anouk Meyer
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
»Mama, ich will, dass das endlich zu Ende ist«, nörgelt der kleine Junge und rutscht unruhig hin und her. Man kann ihm seinen Wunsch nicht verdenken: Die Inszenierung »Der kleine Oger« der Theatergruppe kon-tacto in der Werkstatt der Kulturen ist umständlich, viel zu lang und leidet dramaturgisch unter einem Mangel an Höhepunkten. So geht es nicht nur an seiner kindlichen Zielgruppe vorbei, sondern verlangt auch den erwachsenen Zuschauern einiges an Geduld ab. Dabei sind die Themen, um die es geht - Gewalt, Andersartigkeit und Selbstbestimmung - durchaus aktuell und spannend. Im Mittelpunkt des Stücks der Kanadierin Suzanne Lebeau steht der sechsjährige Simon (Michael Mill), von seiner Mutter zärtlich »kleiner Oger« genannt. Mit ihr lebt er im Wald, von der Außenwelt abgeschirmt. Als er in die Schule kommt, stellt er fest, dass er gut doppelt so groß ist wie die anderen Schüler. Und nicht nur das: Merkwürdige Anwandlungen überkommen ihn, wenn er die Farbe Rot sieht oder Blut riecht. Bisher hatte seine Mutter ihn rein vegetarisch ernährt. Schließlich erfährt er die Wahrheit. Sein Vater war ein Menschenfresser, ein Oger, der alle seine Schwestern aufgefressen hat, bevor er die Familie verließ. Warum seine Mutter unter diesen fürchterlichen Umständen überhaupt bei ihrem Mann blieb, erfährt man indes nicht. Simon ist entsetzt, doch es gibt eine Lösung. Wenn er drei Prüfungen erfolgreich übersteht, kann er seine Menschenfressernatur für immer überwinden. Eine Geschichte also, die Spannung und Abwechslung verspricht - doch weit gefehlt. Eine knappe Dreiviertelstunde dauert es, bis der Junge endlich seine Identität erfährt. Allein die Szene, bis er sich endlich zu seinem ersten Schultag von seiner überängstlichen Mutter verabschiedet, verschlingt rund 20 Minuten. Und auch danach reißt das Stück nicht mit, da hilft auch die dramatische Musik nicht. Die Prüfungen, in denen der kleine Oger sich zum Beispiel eine Nacht lang in einem Raum mit einem Wolf aufhalten muss, schleppen sich dahin und sind voll endloser Monologe, in denen er gegen seine Gier nach Fleisch ankämpft. Wie sehr dem jungen Publikum der Sinn des Stücks, eben die Überwindung der eigenen Natur durch Selbstdisziplin, entgeht, zeigt sich gerade in dieser Wolfsszene. Die Kleinen kreischen und rufen dem Oger Warnungen zu, ohne zu verstehen, dass ja der Wolf in Gefahr ist. Die händeringend wartende Mutter macht das Ganze auch nicht spannender, zumal Darstellerin Darinka Ezeta sich von dem Getuschel und Stühleknarren des gelangweilten Publikums zu zahlreichen Versprechern hinreißen ließ. Schade, denn die aktuellen Themen Gewalt und Selbstbestimmung hätten eine bessere Umsetzung verdient. So bl...

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