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Sowjetische Kriegsgefangene: LINKE pocht auf Entschädigung

Fraktionvize Korte: Äußerungen von Gauck wichtig und begrüßenswert / Union solle sich endlich bewegen: »Es bleibt nicht mehr viel Zeit«

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Berlin. Der Linkenpolitiker Jan Korte hat die Bundesregierung aufgefordert, die Entschädigung sowjetischer Kriegsgefangener des Zweiten Weltkriegs rasch auf die Tagesordnung zu setzen. Der Fraktionsvize zollte zugleich dem Bundespräsident Anerkennung. Joachim Gauck hatte am Mittwoch eine stärkere Würdigung des Leids sowjetischer Kriegsgefangener unter den Nazis angemahnt. Ihr grauenhaftes Schicksal sei in Deutschland nie angemessen ins Bewusstsein gekommen, es liege in einem »Erinnerungsschatten«, so Gauck bei einem Besuch des sowjetischen Ehrenfriedhofs in Schloß Holte-Stukenbrock. »Millionen von Soldaten der Roten Armee sind in deutscher Kriegsgefangenschaft ums Leben gebracht worden - sie gingen an Krankheiten elendig zugrunde, sie verhungerten, sie wurden ermordet.«

Korte nannte die Äußerungen Gaucks wichtig und begrüßenswert. Der Appell des Bundespräsidenten zu »wirklicher Empathie« mit den Opfern des Vernichtungs- und Ausrottungskriegs der Wehrmacht »sollte nicht ungehört verhallen«, so der Linkenpolitiker. Er verwies darauf, dass ehemalige sowjetische Kriegsgefangene bis heute »auf eine Geste der Anerkennung ihres Leids durch die Bundesrepublik« warteten. Die Bundesregierung könne »mit einer symbolischen Entschädigungsleistung das nationalsozialistische Unrecht und das Leid anerkennen, welches Menschen widerfahren ist, die für die Befreiung Europas gekämpft haben. 70 Jahre nach Kriegsende sollte die Bundesregierung, neben dem Gedenken an die Toten, auch die Verantwortung für die Lebenden aus dem Schatten holen« so Korte.

Er verwies zudem darauf, dass es für dieses Ansinnen eine parlamentarische Mehrheit gebe. Auch liege »kein inhaltliches Argument dagegen« vor. Dem Bundestag liegen derzeit Anträge der Linksfraktion und der Grünen vor, die eine Anerkennung in Form einer einmaligen Entschädigungszahlung fordern. Auch die SPD hatte dies in der vergangenen Wahlperiode gefordert. »Es ist überfällig, dass die Union sich hier bewegt«, sagte Korte. »Es bleibt nicht mehr viel Zeit.«

Es müsse davon ausgegangen werden, dass von über 5,3 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen deutlich mehr als die Hälfte starb, sagte Gauck weiter. Für die Aufarbeitung dieser Verbrechen forderte der Bundespräsident die Deutschen auf, nicht nur ihre historischen Kenntnisse zu erweitern. Nötig sei besonders, »unser Herz und unsere Seele zu öffnen für das, was wir kaum glauben wollen«.

Gauck legte zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren einen Kranz an dem von russischen Kriegsüberlebenden errichteten Mahnmal der westfälischen Kriegsgräberstätte nieder. Er enthüllte zudem eine erste Steintafel mit 900 Namen von dort bestatteten Kriegstoten. Das Erinnerungsprojekt wende sich gegen den Sammelbegriff Opfer, in dem es den Menschen ihre Identität zurück gebe, sagte Gauck. Ausdrücklich würdigte der Bundespräsident ehrenamtliche Initiativen wie die »Blumen für Stukenbrock«, die sich seit Jahrzehnten für ein solches neues Bewusstsein einsetzten.

Zuvor hatte Gauck das nahe gelegene ehemalige »Stalag 326« besucht, das eines der größten deutschen Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg gewesen war. Die heutige NS-Dokumentationsstätte vermittelt anhand von historischen Fotos, Zeitzeugenaussagen und Gegenständen aus dem Lagerleben einen Eindruck von den menschenunwürdigen Bedingungen in dem Stammlager, das zwischen 1941 und 1945 etwa 310.000 Gefangene durchliefen.

Die NS-Opfer waren größtenteils russische Rotarmisten sowie Zwangsverschleppte aus Polen, Frankreich und dem ehemaligen Jugoslawien. Schätzungen zufolge starben von ihnen mehr als 65.000, die meisten verhungerten, verscharrt wurden sie in Massengräbern auf dem Soldatenfriedhof. Am 2. April 1945 befreite die US-Armee das »Stalag 326«.

An der Gedenveranstaltung in Stukenbrock nahmen rund 20 Botschafter aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion sowie der westlichen Alliierten teil. Agenturen/nd

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