Keine Angst vor der eigenen Courage

Valentina Tereschkowa kurz vor dem Start in »Frau im All« im Theater an der Parkaue

  • Von Almut Schröter
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
Bühne 3 ist ein Raumschiff. Das haben die Schüler einer fünften Klasse im Theater an der Parkaue sofort erkannt. Zwei Menschen sitzen still in der von Technik dominierten fast dunklen Kulisse. Viel mehr, als dass hier eine Frau ins Weltall startet, erfassen sie aber kaum. Sie sind unvorbereitet zur Aufführung gekommen, hatten den Namen Valentina Tereschkowa noch nie gehört. Entsprechend fällt das Publikumsgespräch nach dem Stück aus, in dem es um die erste Frau der Welt geht, die 1963 in den Weltraum flog.
Ein 33-jähriger Kollege in der Redaktion kennt den Namen auch nicht. Er wuchs am Bodensee auf, weiß aber von Weltraumhündin Laika und Kosmonaut Gagarin. Als er zur Schule ging, war Kalter Krieg. Was ist heute?
Sofie Maruschka Hüsler, Autorin der an der Parkaue uraufgeführten Inszenierung »Frau im All« über Valentina Tereschkowa, kam 1971 in Zürich zur Welt und wuchs in Italien auf. Als sie begann, das Stück über Valentina Tereschkowa zu schreiben, nahm sie Kontakt zu ihr auf. Die heute 69-Jährige hatte nichts gegen ein solches Theaterstück. seit der Wende äußert sie sich aber nicht öffentlich.
Unter Regie von Peter Priegann verdichtet die Autorin das Stück auf die letzten drei Minuten vorm Start der Wostok 6. Valentina Tereschkowa, hat nur noch Kontakt mit dem lampenfiebernden Chefkonstrukteur. Den spielt der Bulgare Nickolai Todorow, mal russisch, mal deutsch mit englischem Akzent sprechend. Die junge Frau ist ungeduldig, kann es kaum erwarten, in acht Kilometern pro Sekunde um die Erde zu sausen. Angst vor der eigenen Courage - von der Natur als letzter Fluchtchance eingeräumt - stellt sich bei ihr nicht ein. Aus medizinischen Gründen, sagt sie, sei diesmal eine Frau ausgesucht worden. Frauen sind anders. Nicht einmal die Mutter der Kosmonautin durfte erfahren, worauf sich die damals 26-Jährige vorbereitete.
Die Tereschkowa konnte Geheimnisse wahren und knacken, war nicht nur beim Fliegen unerschrocken, frech, ungewöhnlich. Das zeigt Hüsler schauspielerisch gut. Die Kosmonautin erkundet, was sie nicht wissen soll, witzelt über politisches Gehabe, weiß von geheimen Unglücksfällen. Hintersinniger Witz spielt filmisch mit, wenn als wichtig angekündigte Worte eines Kosmonautenkollegen aus dem All verrauschen.
Im Fernsehen starten heute täglich Frauen ins All, wissen Kinder. Das Unverwechselbare der Tereschkowa und ihr Leben von 1963 muss man ihnen erklären. Zum Stückbeginn und vorher. Bis gestern fand sich kein übliches Begleitmaterial für Eltern und Lehrer auf der Theater-Homepage.

»Frau im All«: 1.-3.11., 10 Uhr.
»Antigone«: bis 16. u. am 18.9., 19 Uhr; am 17.9., 16 Uhr: Ursel, Theater an der Parkaue 29, Lichtenberg, Tel.: 55 77 52 52,
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