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Schule von morgen

Lena Tietgen über die faktische Abschaffung von Schulfächern in Finnland

In Finnland sollen die klassischen Schulfächer weichen und von fächerübergreifenden Themengebieten ersetzt werden. Es ist nicht grundsätzlich neu, was Finnland wagt. Den Fächerkanon in Themenblöcke zu fassen, wurde bereits Ende der 1990er Jahre in Hamburg erprobt. Pate stand ein Vorschlag des Schulforschers Wolfgang Klafki, der sogenannte Schlüsselprojekte entwickelt hat. Diese sollten die zukünftigen Menschheitsprobleme ins Augen fassen, wie Frieden, Hunger, Flüchtlinge etc. Schülerinnen und Schüler sollten, so die Idee von Klafki, innerhalb dieser Projekte das nötige Grundwissen erlangen und lernen, Probleme lösungsorientiert anzugehen. Zuvor gab es schon in den 1970er Jahren in verschiedenen Teilen Deutschlands Ansätze eines Projektunterrichts, der zum Beispiel mit dem Mittel des Planspiels arbeitete. Das Ganze ist jetzt über 20 Jahre her und Deutschland dümpelt bildungspolitisch weiter vor sich hin; halbherzige Schulreformen inbegriffen.

Mit der geplanten Reform setzt sich Finnland nun abermals schulpolitisch an die Spitze der Erneuerung. Bis 2020 soll der Unterricht an den finnischen Schulen umgestellt sein. Schüler werden in die Erarbeitung der, wie es heißt, »Phänomene« miteinbezogen und können so die Reform mitgestalten. Schon allein deshalb ist das Vorhaben ein Coup. Dass Schüler bei der Notengebung beteiligt werden, zeigt in die richtige Richtung, auch wenn es konsequent wäre, sich von Noten ganz zu verabschieden.

Ob sich Finnlands Reform aber erneut als Vorbild eignet, hängt von den für die Umsetzung des Vorhabens erforderlichen Investitionen ab. Will man ernsthaft Schüler in eine neu verstandene Mündigkeit führen, braucht es Personal und Ausstattung. Die angekündigten Sparmaßnahmen der neuen Mitte-Rechts-Regierung in Helsinki verheißen nichts Gutes. Und so droht der Reform, in einem gigantischen Sparprojekt zu enden.

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