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Trinkwasser ist durch Sulfat gefährdet

Tagebaue verschmutzen die Spree, aus deren Uferfiltrat die Stadt zum Teil versorgt wird

Die Wasserbetriebe beobachten die Sulfat-Belastung in der Spree mit höchster Aufmerksamkeit. Sollten die Belastung weiter steigen, könnte das Wasserwerk Friedrichshagen bald nicht mehr liefern.

Die trockenen Sommer verschärfen offenbar das Problem. Weil sich Sulfat (Schwefel-Sauerstoff-Verbindung) nicht abbauen lässt, sondern nur verdünnen, werden die Grenzwerte am Zulauf der Spree immer häufiger überschritten. Anders als bei der sogenannten Verockerung der Spree durch Eisenhydroxid ist die Wasserverschmutzung mit Sulfat nicht mit dem bloßen Auge zu erkennen. Beide Verschmutzungen der Gewässer entstehen beim Abbau von Braunkohle in den Tagebauen Brandenburgs und Sachsens. An der Fähre Rahnsdorf an der Müggelspree beispielsweise wurden 2014 Jahresmittelwerte für Sulfat von 257 Milligramm pro Liter gemessen. Das ergibt sich aus der Antwort des Umweltsenats auf eine Schriftlichen Anfrage der CDU, die in dieser Woche veröffentlicht wurde.

»Die Zielwerte werden am Ortseingang der Spree häufig überschritten«, bestätigt Stephan Natz, der Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe (BWB) dem »neuen deutschland«. Das landeseigene Unternehmen betrachtet die Verschmutzung mit »höchster Aufmerksamkeit«. Denn nicht weit entfernt liegt das Wasserwerk Friedrichshagen, das fast den ganzen Osten Berlins mit Trinkwasser versorgt. »Wenn Friedrichs- hagen nicht mehr liefern könnte, dann müssten wir entweder mit Braunkohlestrom das Wasser anders aufbereiten oder das halbe Netz umbauen. Beides wäre teuer«, sagt Natz. Die Wasserbetriebe gewinnen rund zwei Drittel des Trinkwasser aus dem Uferfiltrat der Spree.

Umweltverbände schlagen seit längerem wegen der Verschmutzung durch die alten und noch in Betrieb befindlichen Braunkohletagebaue Alarm. »Es geht um ein Grundnahrungsmittel«, betont Winfried Lücking. Er ist Gewässerexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Gemeinsam mit anderen Experten und Politikern aller fünf im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien nahm Lücking in dieser Woche an einer Veranstaltung des Bündnisses »Kohleausstieg Berlin« zur Trinkwassergefährdung in der GLS-Bank in Mitte teil. Der Zusammenschluss versucht Druck auf die Politik zu machen. Und der ist wohl dringend nötig: »Zwischen 2020 und 2025 wird die Qualität der Spree nicht mehr zur Aufbereitung des Trinkwassers ausreichen«, erklärt BUND-Gewässerexperte Lücking.

SPD, CDU, Grünen, Linkspartei und Piraten ist die Bedrohung in Berlin bewusst. Im Gegensatz zum Nachbarbundesland herrscht bei allen fünf im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien zur Bekämpfung der Ursachen Einigkeit. »Wir brauchen eine klare, verbindliche Ausstiegsperspektive in der Region aus der Braunkohle«, sagt der energiepolitische Sprecher der LINKEN, Harald Wolf. Für den Ausstieg sprachen sich vor kurzem auch die anderen Fraktionen im Abgeordnetenhaus in seltener Einmütigkeit aus. Über die Landesplanungskonferenz soll Berlin nun Einfluss auf Brandenburg ausgeübt werden. Gegen die Ausweitung der Braunkohleförderung soll Berlin klar Kante zeigen. Außerdem wollen die Parteien im Doppelhaushalt Geld veranschlagen, um neue Untersuchungen und Studien zur Sulfat-Gefahr zu finanzieren. Vattenfall und der Bund, die Braunkohle abbauen bzw. alte Tagebaue verwalten, sollen überdies dazu bewegt werden, Rücklagen zu bilden, damit Folgeschäden aufgefangen werden können. Ende Juni wollen sich die Berliner Politiker aus dem Abgeordnetenhaus vor Ort in Brandenburg ein Bild von der Lage machen.

Bereits im Austausch mit Vattenfall befinden sich die Wasserbetriebe. Vor einigen Wochen gab es Gespräche zwischen beiden Unternehmen. Wie zu hören ist, zeigt sich der schwedische Energieriese durchaus einsichtig. In die Rolle des »Lieblingsfeindes« der Berliner will Vattenfall jedenfalls nicht wieder rutschen.

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