Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Wahlkampf mit Griechenlands Außenminister

Marburger LINKER tritt als OB-Kandidat an

  • Von Hans-Gerd Öfinger, Marburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Knapp drei Wochen vor dem Urnengang am 14. Juni und gut neun Monate vor den hessischen Kommunalwahlen messen politische Akteure und Beobachter der Oberbürgermeisterwahl im oberhessischen Marburg eine hohe Bedeutung bei. Die Neubesetzung des Chefpostens im Rathaus der Universitätsstadt an der Lahn war notwendig geworden, nachdem der bisherige Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) angekündigt hatte, aus gesundheitlichen Gründen sein Amt Ende November 2015 vorzeitig abzugeben. Im Marburger Rathaus regiert derzeit ein Bündnis von SPD und Grünen, das sich auf eine bequeme Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung stützen kann.

So macht sich denn auch der SPD-Kandidat, der Arzt und Landtagsabgeordnete Thomas Spies, in diesen Tagen Hoffnung, dass er die Nachfolge Vaupels antreten kann. Doch auch der CDU-Kandidat Dirk Bamberger rechnet sich Chancen aus, er spricht von einer »Wechselstimmung« in der Universitätsstadt.

Zu den im Wahlkampf intensiv diskutierten Themen gehört die vor einem Jahrzehnt von der damaligen hessischen CDU-Alleinregierung durchgesetzte Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen-Marburg (UKGM). Angesichts der für Beschäftigte und Patienten spürbaren negativen Folgen dieser Maßnahme erinnerte selbst CDU-Mann Bamberger dieser Tage in einem Zeitungsinterview daran, dass »auch die Marburger CDU damals gegen die Privatisierung war«.

Schon vor Jahren hatte sich in der Stadt ein Aktionsbündnis aus Parteien, Gewerkschaften und Einzelpersonen für eine Rückführung des UKGM in Landesbesitz gebildet. Es sammelte in der Region über 50 000 Unterschriften für eine entsprechende Petition und übergab diese im Sommer 2012 an den Petitionsausschuss des Hessischen Landtags. Diese Petition fand auch in der Marburger Stadtverordnetenversammlung eine breite Unterstützung. Die derzeitige hessische Landesregierung aus CDU und Grünen möchte von einer Wiederverstaatlichung des UKGM allerdings nichts wissen.

Zu den Aktivisten in Sachen UKGM gehört Jan Schalauske, der seit der Kommunalwahl 2011 einer von vier LINKE-Stadtverordneten ist und jetzt für die Partei als OB-Kandidat antritt. Schalauske, Jahrgang 1980, ist seit Herbst 2014 auch hessischer Landesvorsitzender seiner Partei und repräsentiert neben Landtagsfraktionschefin Janine Wissler eine neue, jüngere Führungsgeneration im Landesverband. Marburg gilt seit Jahrzehnten als linke Hochburg, in den 1980er Jahren konnte die DKP dort bei Kommunalwahlen Ergebnisse zwischen fünf und neun Prozent verbuchen.

Die Marburger Linkspartei hat bei der letzten Kommunalwahl 2011 in der Universitätsstadt 7,4 Prozent erreicht. Ihre Stadtverordneten haben im Rathaus in wichtigen Fragen bereits politische Mehrheiten geschmiedet. So sprach sich Marburg als bundesweit erste Stadt für eine Vermögenssteuer zur Verbesserung der Kommunalfinanzen aus und kritisierte die negativen Folgen des Freihandelsabkommens TTIP für die öffentliche Daseinsvorsorge.

Einen Höhepunkt des OB-Wahlkampfs der Marburger Linkspartei bildet der Auftritt des griechischen Außenministers Nikos Kotzias am kommenden Sonntag. Der mit einer Deutschen verheiratete Kotzias kennt sich in Marburg und Umgebung gut aus und hat hier viele Freunde. Anfang der 1970er Jahre hatte er im nahen Gießen studiert, in der 1990er Jahren dann weilte er anlässlich einer Gastprofessur in Marburg.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln