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Das Experiment Stadt

Eine Ausstellung im Architekturzentrum widmet sich Wohnformen in der Großstadt

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Immer mehr Menschen treibt es in die Metropolen, nicht nur in Europa, sondern weltweit. Damit Berlin bezahlbar für alle bleibt, sollen Architekten enger mit Wohnungsgesellschaften zusammenarbeiten.

Berlin wächst. Immer mehr Menschen treibt es in die großen Metropolen, nicht nur in Europa, sondern weltweit. Dass Berlin wächst, sei im bundesweiten Durchschnitt allerdings nicht normal, sagt Stefanie Frensch, Geschäftsführerin der Howoge, anlässlich der Ausstellungseröffnung »Urban Living- Strategien für das zukünftige Wohnen« im Deutschen Architekturzentrum (DAZ).

Das DAZ steht mittendrin im Experiment Stadt: an der Köpenicker Straße in Kreuzberg, und ist doch kein städtebaulicher Einzelfall in Berlin. Exponierter geht es nicht: Während im Inneren 31 Architektur-Städtebaulösungen für die nächsten zwanzig Jahre als Modelle geklebt und gezeichnet wurden, saunieren am gegenüberliegenden Spreeufer in umgebauten Bauwagen die Hipster der Stadt, sitzen junge Berlinbesucher um Feuerschalen, toben noch nach 22 Uhr armenische Kinder im Nachbarhof. Schräg gegenüber ist das Radialsystem als umgenutzte Tanzbühne hell erleuchtet, unweit der Ostbahnhof und das Heizkraftwerk Mitte. Alle Architektur, neu wie alt, sowie die unzähligen Brachflächen gehören zu einem der größten Investorenprojekte Berlins, der Media-Spree.

Berlin ist seit viel Jahren Probierfeld, sowohl bei der Gestaltung von Brachflächen oder der Nutzung freier Gebäude als auch bei der Art und Weise des Bauens. Selbstorganisierte und selbstbestimmte Baugruppen, Genossenschaften und andere Projektformen schießen wie Pilze aus dem Boden. Die große Herausforderung für die Stadt sei: langanhaltend gute städtebauliche Lösungen zu finden und die Eigenarten der jeweiligen, auch berlin-typischen Orte zu erhalten. Gerade auch im Mietwohnungsbau könnte das qualitätvolle Bauen verbessert werden.

Stefanie Frensch appellierte an die ausstellenden Architekten, stärker mit den Wohnungsbaugesellschaften zusammenzuarbeiten: »Wir brauchen bezahlbare Mietwohnungen mit den städtebaulich besten Lösungen.« Senatsbaudirektorin Regula Lüscher betonte, dass es nicht nur wichtig sei, Podiumsdiskussionen zu führen und Ausstellungen zum innovativen Wohnen zu machen, sondern auch, diese Ideen zu planen und zu bauen. »Die Stadt wächst schnell und wir Planer kommen kaum hinterher. Wir brauchen hohe Qualität.«

Wie dieses zukunftsorientierte Wohnen aussehen soll, zeigen Beiträge von Büros wie Barkow Leibinger oder augustin und frank, die sich im Schulbau einen Namen machten, aber auch Ideen von »Deadline«, einer Gruppe von sieben Architekturbüros, die sich 2010 gründete, seither regelmäßig trifft und über die Zukunft der Stadt nachdenkt und findet, dass Schluss sein müsse mit trostlosen Kästen und sozialer Verdrängung. Und doch sind wieder »Stapeltürme« und »Wohnberge« zu sehen, auch, wenn sich die Architekten mittels Grundrissen bemüht haben, alle Generationen unter einem Dach zu fassen und niemanden auszugrenzen. Bis 2025 benötigt die Stadt 137 000 neue Wohnungen. 23 Prozent aller Berlinbewohner sind dann älter als 65.

Die Ausstellung, die Wohnhäuser-Ideen von Lichtenberg bis Neukölln zeigt, sei noch nicht fertig, betonte Kuratorin Kristien Ring. Sie zeige zwar z.T. bereits Gebautes, aber vor allem Denk- und Gestaltungsansätze für das zukünftige Wohnen. Eines der großen Themen ist die »Gemeinschaftsfläche«, kein wirklich neues Thema. Im Vordergrund stehen dabei Fragen wie: »Wie viel Platz brauche ich wirklich? Welche Räume können und wollen wir miteinander teilen?« Da werden in den Grundrissen gemeinschaftliche Wohnhöfe, Dachterrassen und Gemeinschaftsräume angeboten. Es gibt Neuanordnungen von privat, gemeinschaftlich, öffentlich. Und: es werden innerhalb eines Hauses auf einer Ebene unterschiedlichste Grundrissgrößen offeriert, für den Senior, den Single, die Familien: Ob diese Grundrisse allerdings gegen die soziale Verdrängung wirken, wenn die Wohnfläche für eine vierköpfige Familie 100 Quadratmeter misst, ist wie immer eine Frage des Preises.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 4. Juli 2015, mittwochs bis sonntags, 14 bis 19 Uhr. Außerdem: »MakeCity«, das Festival für Architektur und Andersmachen vom 11. bis 28. Juni

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