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Traurigkeit und Angst überwinden

In die syrische Großstadt Homs kehren nur allmählich die geflohenen Einwohner zurück

  • Von Karin Leukefeld, Homs
  • Lesedauer: 4 Min.

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Homs, einst mit über 600 000 Einwohnern drittgrößte Stadt Syriens, sind die Rebellen nach erbitterten Kämpfen abgezogen. Allmählich kehren Einwohner zurück.

In der Altstadt von Homs herrscht Aufregung. Es ist Sonntag, und der Gouverneur der Provinz, Talal al-Barazi, hat sein Kommen angekündigt. Rasch werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Die Jugendkapelle der Gemeinde von der »Kirche der Jungfrau mit dem Gürtel« ist nach dem Gottesdienst mit Pauken und Trompeten losmarschiert, gefolgt von einer kleinen Schar Gläubiger, alle festlich gekleidet.

Anlass des feierlichen Aufmarsches ist eine Kampagne, die von den Schulen der Altstadt in Homs ausgerufen wurde, um die Familien zu bewegen, in ihre Häuser und Wohnungen zurückzukehren. Die Kinder verschiedener Klassen haben unweit der Uzun-Straße die Hauswände bunt bemalt und wollen ein Zeichen gegen Tod und Zerstörung setzen, die Homs und ganz Syrien seit fünf Jahren quälen.

»Unsere christliche Jugendbewegung möchte den Menschen Mut machen, in die Altstadt von Homs zurückzukehren«, erläutert Pater Lukas von der Syrisch-Orthodoxen Kirche der Stadt gegenüber der Autorin. Die »bunten und fantasievollen Bilder können vielleicht dazu beitragen, dass die Menschen wieder auf positive und frohe Gedanken kommen und die Traurigkeit und Angst überwinden.« Es sei sehr schwierig, man sehe ja, wie sehr die Häuser zerstört sind, sagt der Priester. Künstler hätten die Bilder vorgemalt, die von den Kindern farbig ausgemalt worden seien, fügt er hinzu.

Geduldig lässt Barazi jedes Bild erklären, spricht mit den Kindern, fragt nach. Die Priester haben dem großen, massigen Mann, der in Jeans und einem kurzärmligen Hemd gekommen ist, ein buntes Tuch als Willkommensgruß umgebunden. Er sei optimistisch, dass bald wieder mehr Menschen in der Altstadt von Homs leben würden, sagt er später. Man arbeite intensiv daran, Strom- und Wasserversorgung zu gewährleisten.

Die Renovierung des berühmten Uhrenturms im Zentrum von Homs sei das Zeichen, »dass hier die Uhren nie wieder rückwärts laufen sollen«, so der Gouverneur. Der Optimismus der Kinder sei wichtig, das mache allen Einwohnern in Homs Mut.

Nur wenige hundert Kilometer östlich von Homs, in Tadmour, vor dem Krieg eine 140 000-Einwohner-Stadt 200 Kilometer nordöstlich von Damaskus, werden die Uhren gerade radikal ins Mittelalter zurückgedreht. Ob ihm das keine Sorgen bereite? »IS (die Milizen des Islamischen Staats IS - K. L.) ist der Feind der Menschheit, der Zivilisation, nicht nur hier in Syrien, sondern in der ganzen Welt«, sagt Barazi und fordert eine internationale Anstrengung, um die Verbrechen dieser Gruppe zu stoppen.

Diese Anstrengung blieb bisher aus. Die Angriffe der syrischen Luftwaffe reichten nicht, um IS zu stoppen, der die Stadt vor wenigen Tagen einnahm. Die syrische Antikenbehörde und die UNESCO hatten seit Tagen auf die Gefahr für die nahe gelegene Ruinenstadt Palmyra hingewiesen, doch außer Solidaritätsbotschaften gab es keine Unterstützung. Die im östlichen Luftraum von Syrien operierende »Anti-IS-Allianz« beschäftigte sich andernorts mit Angriffen, so dass die Dschihadisten mit ihren schwarzen Fahnen ungehindert vorankamen.

Unter großen Gefahren sei es ihm und rund 50 Familien aus Tadmour gelungen, die Stadt noch rechtzeitig zu verlassen, berichtet Pater George Khoury, der die syrisch-katholische Kirchengemeinde in Tadmour 14 Jahre lang geleitet hat. Mit ihnen seien viele muslimische Familien geflohen, die Menschen hätten nun in Dörfern zwischen Homs und der südöstlich davon gelegenen Stadt Qaryatayn Zuflucht gefunden.

Dass es auch dort nicht sicher ist, zeigt die Entführung des syrisch-katholischen Priesters Jacques Mourad. Er leitete das Kloster Deir Mar Elian, hier bekannt für sein Engagement im interreligiösen Dialog. Drei Vermummte, heißt es, haben den Priester und einen Glaubensbruder vor sechs Tagen verschleppt. Bis heute fehlt von beiden jede Spur.

Am Wochenende veröffentlichte die US-amerikanische Organisation »Judicial Watch« (www.judicialwatch.org) ein geheimes Papier des US-Militärgeheimdienstes aus dem Jahr 2012. Aus dem siebenseitigen Papier geht hervor, dass die US-Regierung darüber informiert war, dass die Fundamentalisten von »Al Qaida in Irak« die syrische Opposition von Anfang an unterstützten.

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