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Lechts und rinks

Wie linke Begriffe und Symbole besetzt und geraubt werden

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Unsere Nachbarn müssen nun Vokabeln pauken. Zumindest eine: Wer sich in Frankreich einen linken, fortschrittlichen Touch geben wollte, bezeichnete sich als »Republikaner« - bis zum Wochenende. Nun muss ein weiterer progressiver Begriff als verloren gelten - besetzt und geraubt von Sarkozys reaktionärer Partei UMP, die sich in »Les Républicains« umbenannt hat.

Gemeinsam mit befreundeten Medien werden sie sich das hochbegehrte, aufgeladene Wort »Republikaner« einverleiben - dem wütenden Protest vieler sich geistig enteignet fühlender Bürger zum Trotz. Wird also der in Frankreich mit revolutionär erstrittenen Menschenrechten verbundene Ausdruck bald den selben militaristischen und nationalen Klang haben wie in den USA oder in Deutschland? In beiden Ländern wurde der Begriff bereits durch Namen von Parteien entwertet.

Der Angriff auf linke Vokabeln ist nichts Neues. Die zentralen Wörter »Freiheit«, »Reform« und »Revolution« sind schon lange neoliberal kontaminiert. Die Unverfrorenheit, der durchschlagende Erfolg und die Unaufhaltsamkeit, mit der die CDU den SPD-Wortschatz plündert, sich das Silicon Valley ein Partisanen-Image kauft oder die US-amerikanische Tea-Party ihren Kampf für steuerbefreite Milliardäre als Volksbewegung gegen »Washington« oder »Die da oben« tarnt, ist atemberaubend.

Auch in der Subkultur ist der Kampf um die (linke) Symbolik voll entbrannt, es herrscht auch dort eine neue Unübersichtlichkeit: Da verwendet etwa die kürzlich aufgeflogene rechte Terrorgruppe »Oldschool Society« in ihrer Grafik eindeutige Anleihen beim Artwork afroamerikanischer Hip-Hop-Künstler. Das rechte, ebenfalls kürzlich verhaftete Berliner Skinhead-Duo »A3Stus« entfremdet in ihren Songs gleich zwei Elemente linker Subkultur: die Hippie-Gitarre und den Rap-Gesang. Könnte man die akustische Klampfe noch als Hommage an die Wanderbewegung der Hitlerjugend deuten, so ist die Verwendung der Rap-Elemente rätselhaft. Brüder im Geiste müssten die Produktionen von »A3Stus« doch eigentlich als »verniggert«, mindestens aber als »entartet« ablehnen.

Umgekehrt hatte sich bereits seit den 90er Jahren die Hip-Hop-Kultur bei der zwar nicht per se rechten, aber doch strukturell konservativen (und in weiten Teilen weißen) Heavy-Metal-Szene bedient, und sich die Frakturschrift und die Totenköpfe geborgt. Insofern eignen sich die Rechten von der »Oldschool Society« nun etwas wieder an, das Afroamerikaner sich bei den Weißen ausgeliehen, mit geschmackvoller Hipness aufgeladen und so aktualisiert hatten.

Dass sich Afroamerikaner den weißen Schmähbegriff »Nigger« angeeignet haben oder eben jene Grafikelemente des weißen Rock lässt sich allerdings nicht mit den feindlichen kulturellen Übernahmen von rechts bis rechtsextrem gleichsetzen: Im ersten Fall kapert der eindeutig Unterlegene einzelne Instrumente seiner Unterdrücker. Im zweiten Fall absorbiert und neutralisiert eine höchst dominante Schicht selbst noch die bescheidenen Protestformen aufmüpfiger »Untergebener«.

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