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Ungerechte Gerechtigkeit

Lena Tietgen über die schulpolitischen Pläne von CDU und Grünen in Hessen

Die Bildungspolitik von Schwarz-Grün in Hessen ist alles andere als ein großer Wurf. Das im Koalitionsvertrag gegebene Versprechen, allen ein Bildungsangebot zu machen, wird in der Praxis nicht eingelöst. Auf der einen Seite wollen die Grünen ihre Forderung nach einem längeren gemeinsamen Lernen durchsetzen, auf der anderen Seite trägt der Koalitionsvertrag die Handschrift der CDU, die das gegliederte Schulsystem erhalten will. Erfahrungsgemäß hat es ein Festhalten am Bestehenden aber leichter, sich in der politischen Praxis durchzusetzen; also wird letztlich die CDU gewinnen. Andererseits öffnet der im Koalitionsvertrag anvisierte Einstieg in ein längeres gemeinsames Lernen Möglichkeiten. Hier könnten sich die Grünen profilieren.

In einer Sache sind sich CDU und Grüne allerdings einig, und genau hierin liegt die Krux: Beide Parteien argumentieren mit dem Begriff der Chancengerechtigkeit statt auf Chancengleichheit zu setzen. Der Begriff Gerechtigkeit orientiert sich am Individuum, also am Kind, das von den Eltern vertreten wird, die sich nun für das Recht des Kindes auf eine gerechte Chancenerteilung einzusetzen haben. Folglich wird der Elternwille maßgeblich, die Politik tritt zurück. In der Konsequenz werden dadurch Eltern bevorteilt, die über das Know-how und die Zeit verfügen, sich entsprechend zu engagieren bzw. ihre Kinder zu unterstützen. Viele Angehörige der unteren sozialen Schichten und Transferempfänger sind zwangsläufig im Nachteil, denn sie können die ihnen aufgebürdete Last kaum tragen.

Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, in der Politik für gleiche Chancen zu sorgen hat. Zukunft werden die Projekte haben, die diesem Ziel gerecht werden.

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