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Ohne Jauch geht’s auch

Wer wird Nachfolger?

Nach der Bekanntgabe des Fernsehmoderators Günther Jauch, seinen Vertrag mit der ARD nicht über das Jahresende hinaus zu verlängern, spekulieren die Kommentatoren über zwei Fragen: Was mögen die »beruflichen« und »privaten Gründe« sein, die Jauch nach viereinhalb Jahren endlich dazu bewogen haben, seine oft harsch kritisierte, nichtsdestotrotz gute Quoten einfahrende Quasselrunde aufzugeben? Und: Wer wird den Sendeplatz, der schon deshalb begehrt ist, weil viele nach dem Sonntags-»Tatort« zu faul sind, umzuschalten, ab Januar 2016 übernehmen? Dass dort nämlich auch weiterhin politische Themen diskutiert werden sollen (und nicht etwa Platz für eine neue Castingshow geschaffen wird), steht laut ARD-Programmdirektor Volker Herres außer Frage.

Etwaige Gründe für den Rückzug Jauchs, der als Gastgeber potenzieller Millionäre auf RTL stets eine bessere Figur machte denn als Talkmaster, fasst Stefan Niggemeier in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« zusammen: »Will er seinen Lebensmittelpunkt ins Saarland verlagern, wo er seit ein paar Jahren ein Weingut besitzt? Müssen noch größere Teile Potsdams mit seiner Unterstützung restauriert werden, weshalb er mal wieder Werbung machen müsste? Gibt er die Talkshow in der ARD bloß auf, um bei RTL, mit Pocher oder Gottschalk als Partner, das Genre des Polittalks radikal und frei von all den Anstaltsbedenkenträgern zu revolutionieren? Ist es irgendeine typische Männersache?«

Oder ist ihm die Dauerschelte der Kritiker doch nähergegangen, als man es dem Publikumsliebling zugetraut hat? Als »unsicher«, »ahnungslos« und »hoffnungslos überfordert« ist Jauch bezeichnet worden, als »unsouverän« und »angespannt«. Der ARD-Programmbeirat ging sogar so weit, Jauch wegen seiner mechanisch abgearbeiteten Suggestivfragen des Schürens von Politikverdrossenheit zu bezichtigen. Abgesehen von Totalausrutschern wie der populistischen Skandalisierung von Varoufakis’ Mittelfinger kamen auch die Karteikärtchen nicht gut an, an denen der Moderator sich immer festklammert. Könnte nicht auch ein Nachlassen der Sehkraft, das unweigerlich zu Schwierigkeiten beim Entziffern der darauf vorformulierten Fragen führte, ein Grund dafür sein, dass der 58-Jährige hinschmeißt?

Dass »Günther Jauch« ohne Günther Jauch aufregender ist als mit ihm, weiß man spätestens seit einer Sendung im April. Der Studiogast Harald Höppner erzwang damals eine Schweigeminute für die ertrunkenen Flüchtlinge. Jauch - wohl aus Furcht vor der Langeweile, die hier endlich einmal pausierte - brach sie vorzeitig ab. In der Nachfolgefrage kursieren nun etwa die Namen Frank Plasberg, Sandra Maischberger, Anne Will und Jan Böhmermann.

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