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Christen gegen die Garnisonkirche

Aufruf mittlerweile von mehr als 500 Menschen unterschrieben

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Unten bleiben« fordert die Initiative »Christen brauchen keine Garnisonkirche« angesichts eines Turms, der 88 Meter hoch sein soll.

Sie sind Protestanten und sie protestieren - gegen den von einer evangelischen Stiftung geplanten Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche. Das barocke Bauwerk war bei einem Bombenangriff im April 1945 ausgebrannt und wurde 1968 abgerissen. Am Weltfriedenstag, dem 1. September 2014, unterzeichneten 70 prominente Persönlichkeiten den Aufruf »Christen brauchen keine Garnisonkirche«, unter ihnen Pfarrer Friedrich Schorlemmer und Ex-Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD).

Sie erklärten: »Wir wollen dem Eindruck entgegentreten, alle Christinnen und Christen würden dem Vorhaben einhellig zustimmen.« Mittlerweile haben sich mehr als 500 Menschen angeschlossen. Die Initiative »Christen brauchen keine Garnisonkirche« lehnt den Wiederaufbau ab, »weil er eine missverständliche Stellungnahme zur Geschichte dieser Kirche ist«. Christliche Zeichen des Friedens müssten eindeutig sein.

In dieser Kirche seien aber regelmäßig Kriegspredigten gehalten worden, sagt Sprecher Wolfram Hülsemann. »Diese Kirchenkopie zu bauen ist ein falsches und auch international ein fatales, ein peinliches Zeichen.« Über ihre Gegenwehr informierte die Initiative auf dem Markt der Möglichkeiten beim evangelischen Kirchentag in Stuttgart, der am 7. Juni mit einem Abschlussgottesdienst und einem Appell zum Frieden zu Ende ging. Immerhin, denn der kirchliche Friedensbeauftragte Renke Brahms meinte zwei Tage später, das Thema sei auf dem Kirchentag leider zu kurz gekommen.

88 Meter hoch solle der Turm wieder werden, mit Kriegsemblemen zugehängt und von einem preußischen Adler gekrönt, warnen die christlichen Gegner der Garnisonkirche. 40 Millionen Euro würde allein dieser erste Bauabschnitt kosten. »Unten bleiben«, fordert die Initiative. Mit »Unten bleiben« war auch ihr Beitrag in der Kirchentagszeitung »Protest« überschrieben. Darin hieß es, dass der evangelischen Kirche die Erhaltung ihrer Gotteshäuser in der Bundesrepublik »auf der Tasche« liege. »Dennoch schwebt über einem leeren Kirchengrundstück an der Breiten Straße in Potsdam die derzeit teuerste Kirchenbauidee Deutschlands wie eine schwarze Wolke. 100 Millionen Euro aus Spenden und Staatszuschuss sollen auf diesen historischen Ort niederkommen.«

In der Satzung der kirchlichen Baustiftung ist festgehalten, der Stiftungszweck werde insbesondere auch »durch Friedens- und Versöhnungsarbeit und deren Förderung verwirklicht«. Doch die martialische Außenform des Turmes werde zur Öffentlichkeit lauter reden als der versprochene Versöhnungsgeist von innen, schreibt Günther Köhler im Kirchentagsblatt. »Der Verzicht auf die bereits vorliegende Turmbaugenehmigung wäre ein deutlicheres Friedenszeichen.«

Diese Sätze sind in einem passenden Umfeld erschienen, neben Beiträgen zum Waffenhandel und zum Schuldbekenntnis der deutschen evangelischen Kirche unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.

Nach eigenen Angaben wird die Initiative »Christen brauchen keine Garnisonkirche« seit März von der Martin-Niemöller-Stiftung unterstützt. Für den 31. Oktober organisieren die Initiative und die Niemöller-Stiftung eine Fachtagung in Berlin.

christen-brauchen-keine-garnisonkirche.de, Spendenkonto: Martin-Niemöller-Stiftung e.V., Postbank Frankfurt am Main, BIC: PBNKDEFF, IBAN: DE26 5001 0060 0004 1516 04, Stichwort: Nein zur Garnisonkirche

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