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Mutanten und Grillfleisch

Freitags Woche

Von Emanzipation sind Medien oft weiter entfernt als die ARD-Primetime vom Staatsauftrag. »Dass nur ein Bruchteil der Führungspositionen in Rundfunkanstalten und Verlagshäusern von Frauen besetzt« sei, nennt daher nicht nur Anne Will einen »katastrophalen Missstand«. Und der ändert sich auch nicht, wenn sie 2016 befördert wird: Nach Günther Jauchs Ausstieg kehrt Anne Will auf jenen Sendeplatz zurück, den der Talkstümper dem Talkprofi vor fünf Jahren klaute. Im Ersten müssen Frauen das Revier halt räumen, sobald ein Alpharüde hineinpinkelt.

Davor sind Alphaweibchen im Grunde nur gefeit, wenn sie durchs Studio wackeln wie Barbara Schöneberger. Man stelle sich ihren Humor mal im Leib eines Mauerblümchens vor - über einen Mitternachtssendeplatz käme sie nie hinaus. So aber schafft es die Blondine bei Gruner + Jahr zum Magazin namens »Barbara«. Klingt nach »Brigitte«, soll aber, so der Verlag, »eine Frauenzeitschrift neuen Typs« sein. Vermutlich mit Rubriken wie Styling, Beauty, Celebs, Gossip, Weiberzeug eben, nur klüger verpackt als sonst üblich.

Männerzeug, nur cooler verpackt als sonst, dürfte das Magazin »Cowboy & Dandy« auf dem Pro 7-Ableger MAXX sein. Ab Donnerstag, 22.30 Uhr, zeigen zwei eitle Typen in fünf Teilen, warum angesichts solcher XY-Mutanten, die selbst schick gekleidet nur an Titten, PS und Grillfleisch denken, die Evolution Frauen hoffentlich bald zur Selbstbefruchtung ermutigt. So viel Testosteron ist im Grunde nur mit Substanzen erträglich, die Arte ab diesem Montag mit dem Schwerpunkt »Drogen - Lust & Last« bedenkt. Toll auch, weil er Schwarz-Weiß-Denken ins Bierzelt delegiert, wo es sich ab 1,3 Promille saftig über kriminelle Kiffer herziehen lässt. Arte trennt da nicht zwischen legalem und illegalem Rauschgift.

Das Angebot der Verkäufer von Drogen jeglicher Art ist übrigens oft verantwortlich für das, womit sich eine Dokusoap auf Sixx beschäftigt: »Horror Tattoos«. Vier Profis korrigieren ab Mittwoch (20.15 Uhr) Tätowierungen, die dank »Drogen, Dummheit, Schnapsideen« entstanden sind. Der Achtteiler gewährt dabei nicht nur einen Blick auf kommerzielle Zielgruppen, er ist auch ohne den Genuss bewusstseinsverändernder Substanzen unterhaltsam. Bei vollem Verstand genießbar sind auch folgende Debüts: »Shut Up, Crime!« um einen schüchternen Koch, der sich am Dienstag (0.05 Uhr, Tele 5) als Superheld mit großem Spielwitz seines Nebenbuhlers entledigt, und die deutsche Komödie »Love Steaks« (Freitag, 21.45 Uhr, EinsFestival), die der Liebe zweier Mitarbeiter eines Wellnesshotels mit Laiendarstellern Wahrhaftigkeit verleiht. Und kurz darauf folgt ein oft unterschätztes Format: Kurzfilme. Fünf davon zeigt Arte ebenfalls am Freitag um 23.55 Uhr im Rahmen des Animationsfestivals Annecy. Und versprochen: Jeder davon ist hoch dosiertes Entertainment.

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