Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Paternoster für alle!

Von Jürgen Amendt

Wir müssen noch mal über das leidige Thema Paternoster reden. Wie regelmäßige Leser dieser Zeitung wissen, verfügt auch das Gebäude, in dem sich die Redaktionsräume des »nd« befinden, über ein solches, amtlich als »Personenumlaufaufzug« bezeichnetes Transportmittel. Dank der deutschen Sozialdemokratie in Person der Arbeitsministerin Andrea Nahles ist damit seit Kurzem Schluss. Die »Verordnung zur Neuregelung der Anforderungen an den Arbeitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln und Gefahrstoffen«, die am 1. Juni in Kraft trat, hat auch den Paternoster in unserem Haus stillgelegt.

Vor wenigen Tagen blickte ich in ein paar traurige Kulleraugen, die der Tochter meiner Nachbarin gehörten. Die fragte mich, ob ihre Tochter, »die so gern einmal Paternoster fahren möchte«, den selbigen im »nd« benutzen könne. Dies in der Annahme, dass das »sozialistisch« in der Unterzeile des nd-Zeitungstitels mit links und daher mit rebellisch gleichzusetzen sei, ergo das »nd« heldenhaft gegen die Nahles’sche Regelwut opponiert und den Paternoster niemalsnicht stillgelegt hat.

Doch ich musste Mutter wie Tochter enttäuschen. Wir sind und bleiben Lampenputzer! Und so ist die deutsche Sozialdemokratie abermals schuld daran, dass kleine Kinder traurig sind. Die »Agenda 2010« war wohl nicht genug!

Es gibt aber Hoffnung. Seit einigen Tagen wird von einer hausinternen Arbeitsgruppe mit dem Namen »Paternoster für alle« die Wiederinbetriebnahme vorbereitet. Auf folgende Regelungen hat sich die AG verständigen können:

1. Für die Benutzung des Paternosters ist künftig ein sogenannter Paternosternutzungsberechtigungsschein erforderlich. Die Ausgabestelle wird im siebten Stock eingerichtet.

2. Vor Verlassen des Paternosters ist mindestens eine Rundfahrt durch den Dachboden und den Keller zu absolvieren.

3. Kinder und Personen mit Behinderungen, die auf Gehhilfen (z.B. Rollatoren) angewiesen sind, haben bei der Beförderung Vorrang.

4. Das Hinein- und Hinauswerfen von Gegenständen, Kindern, Rollatoren ist nur dann gestattet, wenn die Kabine die Etage schon deutlich passiert hat (ca. Höhe einer Treppenstufe).

5. Hängen Absperrseile vor den Paternosterzugängen, dann sind diese vor dem Betreten der Kabine zu entfernen. Dies muss solange wiederholt werden, bis die über den Paternoster Aufsicht führende Person, die versucht, das Betreten der Fahrkörbe durch das Anbringen von Absperrseilen zu verhindern, vor Erschöpfung aufgibt.

6. Um die Paternosteraufsichtsperson bei Laune zu halten, sollte in regelmäßigen Abständen (mindestens einmal am Tag) der rote Halteknopf in den einzelnen Etagen gedrückt werden. Das in diesem Fall ertönende Hupsignal kann von Kindern mit entsprechendem musikalischem Talent als Gelegenheit für einen spontanen Rap-Gesang genutzt werden.

Übrigens: Meine Nachbars᠆tochter kann den Tag gar nicht mehr erwarten, an dem sie mich in der Redaktion besuchen kann.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln