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Mächtig widersprüchlich

Eine Ausstellung in Erfurt erzählt vom linken Medienunternehmer Willi Münzenberg

Viel von der Widersprüchlichkeit im Leben von Willi Münzenberg wird schon im Erdgeschoss sicht-, ja mit den Händen greifbar. Ja, Münzenberg war Kommunist. Sogar ein bekennender. Einer, der die Ideale dieser Weltanschauung in seiner Zeit wie kaum ein Zweiter über ein linkes Medienimperium aktiv verbreitete. Die »Arbeiter-Illustrierte-Zeitung«, die »Welt am Abend«, »Berlin am Morgen« - solche Blätter waren immer auch Propaganda-Instrumente, mit denen Münzenberg den Kampf des aus seiner Sicht unterdrückten Arbeiters unterstützen wollte. Und doch ging dieser Mann zu den organisierten Formen des Kommunismus im Laufe des Lebens auf Abstand, musste das tun. Münzenberg - 1889 in Erfurt geboren - übte in den 1930er Jahren scharfe Kritik an Stalin, der damals - so umstritten er immer schon war - im organisatorischen Zentrum des Kommunismus saß. 1938 wurde Münzenberg deshalb aus dem Zentralkomitee der KPD ausgeschlossen, ein Jahr später sogar aus der Partei selbst.

Auf Hammer und Sichel dürfte Münzenberg deshalb mehr als einmal in den letzten Jahren seines Lebens so geschaut haben, wie in diesen Tagen eine Porträt-Zeichnung Münzenbergs im Erdgeschoss des Kunsthauses Erfurt auf ein Metall-Geflecht blickt, das Hammer und Sichel nachbildet: aus einiger Entfernung und mit ausdruckslosem Gesicht. Der Peruaner Fernando Bryce hat mit dieser Arbeit in beeindruckend schlichter Weise den vielleicht größten Widerspruch im Leben Münzenbergs eingefangen, der freilich einer ist, mit dem in den 1930er Jahren und den Folgejahrzehnten viele Kommunisten umgehen mussten, die bei Stalin und den Vertretern seines Systems in Ungnade gefallen waren.

Die Ausstellung, in deren Kontext die Arbeit von Bryce gezeigt wird, bildet den großen Rahmen ab, in dem Münzenberg medial und unternehmerisch wirkte: Sie will unter dem Titel »Der Rote Faden« zeigen, wie sehr Macht und Medien schon immer eine symbiotische Einheit bildeten und wie sehr die Beziehungen zwischen Medien, Medienmachern und Mächtigen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft prägen. Münzenberg hat das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für kommunistische Ideen und Zirkel im Grunde ebenso getan, wie es die »Bild«-Zeitung bei vielen Nicht-Kommunisten seit Jahrzehnten tut. Nicht zufällig hängen in Erfurt nun nur wenige Schritte von Hammer und Sichel und dem Porträt Münzenbergs entfernt alle »Bild«-Schlagzeilen aus dem Jahr 2011; eine Arbeit der Weimarerin Anke Stiller. In ähnlich unmittelbarer Nähe sind es zwei Videoinstallationen der Berlinerinnen Ute Weiss Leder und Ulrike Kuschel, die daran erinnern, wie sehr Bilder Medienmaschinerien prägen - ein Genre, mit dem auch Münzenberg zu spielen wusste.

Für den in Erfurt angesiedelten »Freundeskreis Willi Münzenberg« ist die Ausstellung auch Teil des Versuchs, den Erfurtern klar zu machen, welch’ weiteren großen Sohn ihre Stadt hervorgebracht hat. 75 Jahre nach seinem mysteriösen Tod fordern sie, eine Straße in der Thüringer Landeshauptstadt nach ihm zu benennen - verbunden mit dem irgendwo zwischen ironisch und sarkastisch angesiedelten Hinweis darauf, dass es doch eigenartig sei, dass ein Peruaner wie Bryce Münzenberg eine eigene Arbeit widmet und ein Großteil der Erfurter den Namen des Medienunternehmers kaum kennt.

»Der Rote Faden. Münzenberg als Brücke zum 21. Jahrhundert.« Noch bis zum 17. Juli im Kunsthaus Erfurt.

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