Das Paradies des Karl Kraus

Ein Briefband erzählt vom böhmischen Schloss Janowitz und seiner Zerstörung

  • Von Klaus Bellin
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Am 8. September 1913 wird Karl Kraus im Wiener Café Imperial einer jungen und schönen Frau vorgestellt, und diese Begegnung verändert sein Leben. Sie, die achtundzwanzigjährige Sidonie Nádherný von Borutin, ist eine böhmische Baronesse und lebt mit ihrem Zwillingsbruder Karl auf Schloss Janowitz, dem Familiensitz mit großem Park und uralten Bäumen, ungefähr sechzig Kilometer von Prag entfernt. Er, elf Jahre älter, ist Herausgeber der »Fackel«, eines roten, gesellschaftskritischen Blattes, das er seit 1911 in langen Nächten mit seinen Beiträgen, den Glossen und Satiren ganz allein bestreitet, gefeiert und gefürchtet nicht nur in Österreich. Beide verstehen sich sofort. Wochen später, Ende November, ist Kraus zum ersten Mal in Janowitz. Und kommt danach immer wieder.

Janowitz ist ein literarischer Ort geworden. Rilke, den die Baronesse 1906 als Sekretär Rodins in Paris kennengelernt h...


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