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Japan resigniert nach 16 Minuten

Mit drei Toren schießt Carli Lloyd die US-Fußballerinnen beim 5:2 gegen Japan zum WM-Titel

  • Von Jana Lange und Nikolas Schmitz, Vancouver
  • Lesedauer: 3 Min.
In den USA herrscht nach dem WM-Sieg große Euphorie und Hoffnung. Das Team des Rekordweltmeisters aber steht vor einem Umbruch.

Nachdem Carli Lloyd und Co. den Cup endlich wieder «nach Hause» geholt und die US-Fußballerinnen in der Nacht zum Montag zum alleinigen Rekordweltmeister gemacht hatten, feierte ganz Amerika. Aus den Sportbars tönte nach dem denkwürdigen 5:2 (4:1) im WM-Finale von Vancouver über Titelverteidiger Japan nur noch «USA! USA!». Superstars wie Beyonce, Tiger Woods oder Kobe Bryant huldigten den WM-Heldinnen. Doch Oberfan war der Präsident. «Welch ein Sieg für das Team USA! Große Leistung, Carli Lloyd! Ihr Land ist so stolz auf Sie, twitterte Barack Obama und forderte die Mannschaft auf: »Kommen Sie bald mit dem WM-Pokal ins Weiße Haus!«

16 schier endlose Jahre hatte die stolze Frauenfußballnation gebraucht, um sich nach 1991 und 1999 diesen dritten Stern zu holen. Das Drehbuch war perfekt: In Kanada kam es zur Neuauflage des Finaldramas von 2011, das die USA nach zweimaliger Führung im Elfmeterschießen verloren hatten (1:3). Die letzte Chance für die goldene Ü30-Generation um Abby Wambach und Hope Solo musste genutzt werden, fand auch Lloyd. »Ich war auf einer Mission«, erklärte die 32-Jährige nach ihrem Galaauftritt im torreichsten Endspiel der WM-Geschichte. Schon im Halbfinale gegen Deutschland (2:0) hatte Lloyd einen Treffer beigesteuert.

Als die USA nun nach 16 Minuten bereits 4:0 in Führung lagen, hatte die Kapitänin als erste Spielerin einen Dreierpack (3./5./16.) in einem WM-Finale erzielt - das letzte mit einem Hammerschuss von der Mittellinie über die weit vor dem Kasten stehende Torhüterin Ayumi Kaihori. Nach ihren großartigen Leistungen erhielt die Mittelfeldspielerin, die wie WM-Torschützenkönigin Celia Sasic sechs Tore erzielt hatte, zurecht auch den Goldenen Ball als beste Spielerin des Turniers. Die weiteren US-Treffer hatten Lauren Holiday (14.) und Tobin Heath (54.) erzielt, für Japan trafen Yuki Ogimi (27.) und Julie Johnston (52.) mit einem Eigentor.

Lloyd verkörpert die absolute Entschlossenheit wie keine andere im US-Team. »Ich habe alles getan, mein ganzes Leben solchen Momenten geopfert«, sagte sie und erzählte von einer einsamen Trainingseinheit vor geraumer Zeit im heimischen New Jersey: »Ich habe visualisiert, wie ich ein WM-Finale spiele und mir vorgestellt, wie ich vier Tore schieße.« Nah dran.

Die frühere Weltfußballerin Wambach, die nun endlich ihre Sehnsucht nach dem WM-Titel gestillt hat, befand: »Carli hat diese WM für uns gewonnen.« Nationaltrainerin Jill Ellis, seit einem Jahr im Amt, huldigte ihren Spielerinnen: »Sie wurden für solch große Momente geboren. Je schwieriger der Gegner, desto besser wird dieses Team. So ist ihre DNA.«

53 341 Zuschauer, fast ausschließlich frenetische US-Fans, hatten ihr Team im BC Place zum Sieg getragen. Auch Zuhause grassierte das Fußballfieber: Im ganzen Land wurden große Public-Viewing-Parties veranstaltet. »Überall sind Kinder, die sein wollen wie Carli Lloyd«, schwärmte US-Soccer-Boss Sunil Gulati. Auch Alex Morgan hofft auf positive Auswirkungen des Triumphs - auf die Profiliga NWSL. »Ich hoffe, es bringt mehr Investoren, Sponsoren«, sagte die Stürmerin. Der Rekordweltmeister aber steht in naher Zukunft vor einem Umbruch. Einige Veteranen wie Christie Rampone (40), Shannon Boxx (38) und vielleicht auch Wambach (35) werden sich verabschieden.

Auf der Gegenseite flossen bei den Japanerinnen bittere Tränen der Enttäuschung - vor allem über sich selbst. Trainer Norio Sasaki entschuldigte sich nach dem Spiel gar für den schwachen Auftritt seiner Mannschaft. Aber auch er musste aber die Sonderklasse von Lloyd anerkennen, wieder einmal. 2012 im Finale bei Olympia (2:1) hatte die Frau für die großen Spiele mit zwei Toren für die Entscheidung gesorgt. Sasaki sagte resigniert: »Frau Lloyd tut uns das immer an.«SID/nd

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