Dreht de Rothschild den Geldhahn zu?

Journalisten der renommierten linken »Libération« wollen ihre Zeitung retten

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

»Libération«, die renommierte linke Zeitung, die aus der 68er Bewegung in Frankreich hervorgegangen ist und seit mehr als drei Jahrzehnten das Geschehen im In- und Ausland kritischer und anders als die etablierten Medien beleuchtet hat, steht vor dem Aus.

Edouard de Rothschild, seit Anfang vergangenen Jahres mit 38,87 Prozent der Anteile Hauptaktionär des Blattes, will auf der heutigen Verwaltungsratssitzung einen »Plan der letzten Chance« vorlegen. Kenner vermuten, dass der junge Millionär, der eigentlich mit »Libération« den Grundstein für eine Mediengruppe legen wollte, jetzt angesichts der finanziellen Situation des Blattes, das im ersten Halbjahr fünf bis sechs Millionen Euro verloren hat, ein »Katastrophenszenario« vorbereitet hat. Das sehe vor, per Gerichtsentscheid die drohende Zahlungsunfähigkeit feststellen und die Zeitung unter »Gläubigerschutz« stellen zu lassen. Zwar würde dann das Gericht einen juristischen Verwalter einsetzten, doch vor allem würden Gläubiger bis auf weiteres in die Warteschleife geschickt und man gewänne Zeit für einen Sanierungsplan. Der sieht dem Vernehmen nach vor, 70 der 285 Mitarbeiter - davon 190 Journalisten - zu entlassen. Ein solches »Ausbluten«...

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