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Der stille Strom wird Volk mit Volk verbinden ...

Vor 65 Jahren wurde in Görlitz ein Grenz- und Friedensabkommen unterzeichnet.

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Die Unterzeichnung des Görlitzer Abkommens am 6. Juli 1950 zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen wurde medienwirksam inszeniert. Die Ministerpräsidenten Otto Grotewohl und Józef Cyrankiewicz trafen sich zunächst auf der Grenzbrücke, um dann im Kulturhaus von Zgorzelec, einem einstigen Ortsteil von Görlitz, die Unterschriften zu leisten. Die Zeitungen beider Länder berichteten von der Friedenskundgebung Jugendlicher im dortigen Stadion sowie von Hochrufen der Bevölkerung der Grenzstadt auf die deutsch-polnische Freundschaft, auf Josef W. Stalin und die Staatspräsidenten Bolesław Bierut und Wilhelm Pieck. Der Schriftsteller Max Zimmering dichtete euphorisch: »Und was bis gestern Mensch und Mensch getrennt, hilft alte Bitternis zu überwinden: der Neiße-Fluß, der stille Oder-Strom, sie werden Volk mit Volk verbinden ...«

Das agitatorisches Beiwerk war dem Zeitgeist geschuldet, das Abkommen hingegen für die damalige Zeit und auch für spätere deutsch-polnische Verträge von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Die konkreten Ausführungsbestimmungen folgten am 25. Januar 1951.

Dass Oder und Lausitzer Neiße Grenzflüsse wurden, war ein Ergebnis des Zweiten Weltkrieges und deutscher Kriegsschuld, fixiert bereits im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945, das auch die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus Polen dekretierte. Mit dem Görlitzer Abkommen garantierte die DDR der Volksrepublik Polen Sicherheit. In der Präambel war von einer Friedens- und Freundschaftsgrenze die Rede, die beide Völker nicht trennt, sondern einigt. Wenige Monate nach dem Abschluss des Abkommens sprach Pieck auf einer Massenkundgebung in Guben und verteidigte das Görlitzer Abkommen und erinnerte zugleich an die deutschen Verbrechen in Polen. Einfühlsam sprach er über den Heimatverlust : »Ich weiß, liebe Gubener Landsleute, daß euch die jetzige polnische Seite von Guben immer noch in schmerzlicher Erinnerung ist. Ihr wißt ja, daß ich da drüben geboren bin ... Man kann von einem Menschen nicht verlangen, daß er vergessen soll, wo einst sein Heimathaus stand...« Dieser Heimatverlust sollte später offiziell in der DDR nicht mehr thematisiert werden. Doch eine nationale Rechtfertigung der Westverschiebung polnischen Territoriums, die Berufung auf den mittelalterlichen Piastenstaat und die Begründung der Rückkehr historischer Gebiete zum Mutterland, wie sie die PVAP bis zu deren Ende propagierte, trug die SED nie mit.

Das Görlitzer Abkommen wurde von der polnischen Emigration Wohlwollend aufgenommen. Der Direktor der polnischen Abteilung des Radioenders »Freies Europa« Jan Nowak-Jeziorański geriet in Konflikt mit seinen Chefs, als er sich weigerte, die Oder-Neiße-Grenze zu verunglimpfen. Das Abkommen verbesserte auch wesentlich die Lage der noch in Polen lebenden Deutschen; sie kamen in den Genuss von Lohnangleichungen, durften deutsche Schulen errichten, nunmehr auch wieder Kulturensembles und deutschsprachige Zeitungen unterhalten. Zur Redaktion der ab 1951 erscheinenden »Arbeiterstimme« gehörte später der den ND-Lesern bekannte Journalist Julian Bartosz.

Mit der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze ging die DDR für ganz Deutschland in Vorleistung. Die Bundesrepublik folgte 20 Jahre unter der Kanzlerschaft von Willy Brandt. Das Görlitzer Abkommen geriet nochmals in den Fokus deutsch-polnischer Diplomatie und in die Schlagzeilen, als es darum ging, im Zuge der Wiedervereinigung einen neuen, nun endgültigen Grenzvertrag mit Polen zu schließen. Dass Formulierungen des Görlitzer Abkommens Eingang in den am 14. November 1990 zwischen dem vereinigten Deutschland und Polen geschlossenen Vertrag eingingen, war vor allem den DDR-Unterhändlern in der vorangegangenen trilateralen Debatte zu verdanken.

Unsere Autorin, Spezialistin für polnische Geschichte, ist Sprecherin der Historischen Kommission der Linkspartei.

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