Von Jan Brock

»Mögen Sie Merkel, oder wollen sie dieses Katzenbaby töten?«

Eine Forsa-Umfrage zu Merkels Griechenland-Politik stellt die falschen Fragen

Eine Forsa-Umfrag sorgt für Aufsehen. Angeblich ist ein Großteil der Deutschen zufrieden mit Merkels Griechenland-Politik. Darunter auch viele LINKE und Grüne. Die allerdings sagen, die Frage wäre falsch gestellt gewesen.

Wollen Sie diesen Fragebogen ausfüllen oder sich die Beine abhacken? Auf manchen Fragen ist die Antwort schnell gefunden.

Zufrieden mit Merkel

Die Mehrheit der Deutschen sei mit Merkels Griechenland-Verhandlungen zufrieden, 55 Prozent der Bundesbürger wären der Auffassung, dass sich Angela Merkel »alles in allem richtig verhalten habe«, berichtet der »Stern«. Und ganze 31 Prozent sollen den Grexit für Griechenland gefordert haben.

Bis dahin wäre diese Meldung wenig erstaunlich. Wäre es doch eine erwartbare Reaktion der deutschen Bevölkerung auf die monatelange Berichterstattung gewesen, die nicht aufhörte, ein Bild der Griechen zu zeichnen, die faul seien und das hart erarbeitete »deutsche Geld« wollten, ohne dafür auch nur einen Finger krumm zu machen.

Auch LINKE und Grüne heimlich für die Kanzlerin

Aber auch die Mehrheit der Grünen und der LINKEN ist mit Merkels Politik zufrieden? 53 Prozent bei der LINKEN und ganze 75 Prozent bei den Grünen? Gibt es in diesem Land gar keine Konkurrenz mehr für Merkel? Der Aufschrei nach den Meldungen war groß. Gibt es in Deutschland nur noch eine Meinung? Und zwar die von Merkel? Macht die Opposition nur noch Krach im Parlament und heimlich zu Hause da wird das Fanposter von Merkel an die Wand geheftet?

Forsa fragt

Doch wie so oft, kommt es bei mancher Antwort auf die Frage an. Und tatsächlich war die Frage so formuliert, dass sie insgesamt drei Antworten zu ließ: Einerseits war es möglich, die Verhandlungen von Merkel positiv zu bewerten, einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone zu befürworten oder mit »weiß nicht« zu antworten. Nicht möglich war es, den Kurs Merkels als »zu hart« zu bewerten.

Wenn jetzt allerdings viele Anhänger von Grünen und Linkspartei die Verhandlungen Merkels positiv bewerten, kann das auch schlicht Ausdruck ihrer Grexit-Ablehnung sein. Mehr Wahlmöglichkeiten ließ die Forsa-Umfrage nicht zu.

Kritisch geht anders

Die Agenturen übernahmen sofort unkritisch die Ergebnisse und zeigten wenig Interesse an der Fragestellung. Ergebnis sind dann solche Meldungen, wie jene der AFP:

Von den befragten Grünen-Anhängern waren sogar 75 Prozent mit Merkels Vorgehen zufrieden - und damit mehr als in Merkels eigener Partei: Unter den Anhängern der Union gaben 66 Prozent der Kanzlerin gute Noten.

Dass Merkel sich in der Griechenland-Krise richtig verhalten habe fanden auch 62 Prozent der SPD-Anhänger und immerhin 53 Prozent der Linken-Sympathisanten.

Und diese der dpa:

Vor allem die Anhänger der Grünen sind mit Merkel zufrieden: 75 Prozent von ihnen bescheinigen der Kanzlerin, richtig verhandelt zu haben. Bei den Sympathisanten der Union sind dies 66 Prozent, bei den Anhängern des Koalitionspartners SPD 62 Prozent. Sogar 53 Prozent der Linken-Sympathisanten schließen sich dieser Meinung an.

(Update: dpa hat ihre Meldung berichtigt.)

Stefan Niggemeier, Medienjournalist, wendete sich an den »Stern«. Bekam dort aber nur die lapidare Äußerung: »Zur Auswahl hätten für die von Forsa Befragten «die beiden Alternativen» gestanden, «über die in Brüssel verhandelt wurde»«. In einer Konversation zwischen dem Journalisten und Wolf-Doettinchem, der »Stern«-Ressortleiter für Politik und Wirtschaft, versuchte der Stern-Mitarbeiter, sich hinter Humor zu verstecken und fordert »mehr Gelassenheit«.

Mit Humor reagiert auch das Internet. In den sozialen Netzwerken breitet sich nun Häme über die Fragesteller aus. Unter dem Hashtag #forsafragen werden nun viele Umfragen gestartet. Die Antworten liegen auch hierbei bereits auf der Hand. So fragt ein Nutzer: Finden Sie, Angela Merkel leistet gute Arbeit oder würden Sie gerne ab jetzt jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen müssen? Und ein anderer Nutzer fragt: Finden Sie, Merkel macht eine gute Arbeit oder wären Sie lieber Bewohner eines ostdeutschen Flüchtlingsheims?

Auch Politiker der von der Umfrage betroffenen Opposition reihen sich in die Reihe der Fragestellenden ein. So fragt Bernd Riexinger: Schenken Sie Merkel und Schäuble Ihr Vertrauen oder Ihr Auto? Und Karin Göring-Eckardt fragt: Mögen Sie Sigmar Gabriels Geradlinigkeit oder wollen sie lieber ins Dschungelcamp?

Auf eine schriftliche nd-Anfrage zum genauen Wortlaut der Umfrage und der Bitte um eine Stellungnahme wollte sich das Meinungsforschungsinstitut Forsa bisher nicht äußern.

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