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Kommerzielle Beratung

Unabhängigkeit der Patientenberatung in Gefahr

Die Patientenberatung soll nach einer Ausschreibung ab 2016 in kommerzielle Hände gelegt werden. Kritiker fürchten Nachteile für die Patienten.

Die Unabhängige Patientenberatung wird nach dem Willen des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ab 2016 nicht mehr existieren. Die Leistungen für die Beratung von Versicherten vergab der Verband an die Sanvartis GmbH aus Duisburg. Bis zum 19. Juli läuft die Widerspruchsfrist für die unterlegenen Bieter. Die Unabhängige Patientenberatung berät als gemeinnützige Gesellschaft seit 2006 Patienten. Der GKV-Spitzenverband finanziert diese Arbeit für jeweils sieben Jahre und schreibt sie dann neu aus.

Die Entscheidung löste Kritik von Politikern, Ärzten und Verbraucherschützern aus. Sie halten eine unabhängige Beratung seitens eines kommerziellen Unternehmens für unrealistisch. Sanvartis soll die Patienten nur telefonisch informieren. Bisher arbeitet das Unternehmen als Dienstleister für Krankenkassen. Die 21 Stellen der Unabhängigen Patientenberatung stehen vor dem Aus, die Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs. In den vergangenen 15 Jahren hatte ein Zusammenschluss des Sozialverbandes VdK, des Verbraucherzentrale Bundesverbandes sowie des Verbundes der unabhängigen Patientenberatungen die Leistung erbracht.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), hat der Entscheidung offenbar zugestimmt, will sich vor Ablauf der Widerspruchsfrist aber nicht dazu äußern. Er setzt auf die Unabhängigkeit der Beratung auch mit dem neuen Anbieter, heißt es in einer Pressemitteilung. Kritiker bezweifeln das. Dass es bei der Ausschreibung nur um das günstigste Angebot ging, ist aber fraglich. Denn die von Sanvartis geplante rein telefonische Beratung ermöglicht es vermutlich, mehr Patienten in der gleichen Zeit zu beraten. Zudem hatte der Bundestag vor einem Jahr die Mittel für die Patientenberatung ab 2016 von 5,2 auf 9 Millionen Euro erhöht. Der bisherige Anbieterverbund hatte das ausdrücklich begrüßt - vermutlich in der Hoffnung, die eigenen Beratungskapazitäten ausweiten zu können.

Nun fragen Kritiker, ob ein Callcenter die über Jahre gewachsene Beratungsqualität sichern kann. Denn würde auf das Personal der Mutterfirma zurückgegriffen, wäre das auf jeden Fall schlechter für die Patienten, »weil dieses Personal bislang für Kassen und Pharmaindus- trie gearbeitet hat«, sagt Kathrin Vogler, Sprecherin für Patientenrechte bei der Linksfraktion im Bundestag. Mit neuen Mitarbeitern wäre eine Einarbeitungsphase nötig, die ebenfalls zu Lasten Ratsuchender ginge.

Noch deutlicher wird der Verband der demokratischen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten - er wirft dem GKV-Spitzenverband und Laumann kurzsichtiges Kalkül vor. Unabhängigkeit, so der Verband, müsse als Teil des Selbstverständnisses der Beratenden verteidigt werden - auch gegen die Kassen, die für die Beratung Versichertengelder bereitstellen. Vogler fordert eine Gesetzesänderung, die die Vergabe aus den Händen der Krankenkassen nimmt und für die Patientenberatung nur noch freigemeinnützige oder öffentliche Träger vorsieht.

Die meisten Anfragen erhielt die Patientenberatung laut ihrem letzten Bericht zu Leistungen von Kostenträgern. Zahlungspflichten der Kassen und Widerspruchsmöglichkeiten waren 2013/2014 in 28 000 von rund 80 000 Beratungsgesprächen Thema. Offenbar nahmen Fragen in diese Richtung weiter zu, die meisten zum Krankengeldanspruch und zu stationärer medizinischer Rehabilitation.

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