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Die letzte Generation, die noch handeln kann

Vorlage für UN-Gipfel: Minister streben einen dynamischen Weltklimavertrag an

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.
In der französischen Hauptstadt trafen sich Minister und Wissenschaftler in Vorbereitung der Weltklimakonferenz. Am Ende meldeten sie einen Durchbruch.

Vier Monate bleiben bis zur Weltklimakonferenz COP21, die in Paris stattfindet. Damit diese nicht wie vorangegangene UN-Gipfel ohne Ergebnis bleibt und dort ein neuer Weltklimavertrag ausgehandelt wird, hat Frankreich zahlreiche Initiativen unternommen. Am Dienstag tagten in Paris dazu zwei Gremien: Außenminister Laurent Fabius hatte Außen- und Umweltminister aus 46 Ländern zu einem informellen Treffen geladen. Gleichzeitig tagte eine vom populären französischen Fernsehjournalisten und Umweltaktivisten Nicolas Hulot initiierte Konferenz von Wissenschaftlern und anderen namhaften Persönlichkeiten aus aller Welt.

Am Ende des Ministertreffens stand laut dem französischen Gastgeber ein »Durchbruch«: »Das Ziel ist ambitioniert, aber ich bin zuversichtlich«, erklärte Fabius. Es habe ein Einverständnis gegeben, beim UN-Gipfel ein dynamisches Klimaabkommen anzustreben. Der Vertrag soll einer Mitteilung zufolge Vorkehrungen enthalten, um die CO2-Reduktionsziele einzelner Länder regelmäßig zu überprüfen. Zudem solle die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, statt des bisherigen Ziels einer Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad auch 1,5 Grad anzupeilen. Dies wird etwa von kleinen Inselstaaten gefordert.

Auf dem Treffen ging es vor allem um die noch nicht eingelösten Zusagen der 195 COP21-Teilnehmerländer. Sie hätten eigentlich bis März ihre für 2030 geplanten nationalen CO2-Reduktionsziele beim UN-Klimasekretariat in Bonn einreichen müssen. Das soll berechnen, ob die Anstrengungen ausreichen, um die Klimaerwärmung zu begrenzen. Doch erst 47 Länder haben ihre Zielstellungen vorgelegt, darunter die 28 EU-Länder, die USA, Kanada und Russland, doch aus Lateinamerika nur Mexiko und aus Afrika nur Gabun. Aus China gibt es nur inoffizielle Ankündigungen, die zudem echte Anstrengungen weit in die Zukunft hinausschieben: Während die EU-Staaten ihren CO2-Ausstoß bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 30 Prozent senken wollen, will China erst ab 2030 reduzieren. Indien will zwar erneuerbare Energien fördern, andererseits aber seine Stromerzeugung aus Kohle verdoppeln. Einmal mehr wurde deutlich, dass vor allem die Schwellenländer im Vergleich zu ihrer Umweltbelastung kaum am Prozess teilnehmen und dass die Entwicklungsländer vergebens auf zugesagte Hilfen in Milliardenhöhe für umweltverträglicheres Wirtschaftswachstum warten.

Fabius, der befürchten muss, dass ihm ein Scheitern des Pariser Gipfels persönlich angekreidet wird, appellierte an seine Kollegen, größere Anstrengungen zu unternehmen und zu ihrem Wort zu stehen. Vor allem betrifft dies die Verteilung der Lasten zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern. Fortschritte werden vor allem durch unterschiedliche nationale Interessen blockiert werden. Eine nächste Zwischenbilanz wird Anfang September beim UN-Klimasekretariat in Bonn gezogen.

Auf der Wissenschaftlerkonferenz wurden deutlichere Worte gesprochen. »Sollte sich die Erdatmosphäre um mehr als zwei Grad erwärmen, wären die Folgen unbeherrschbar«, betonte Hulot. »Der Kampf gegen den Klimawandel ist eine moralische Pflicht. Wir sind wahrscheinlich die letzte Generation, die noch handeln kann.« Bereits heute seien in vielen Ländern die Folgen der Erderwärmung deutlich sicht- und spürbar. Zunehmend treten Dürren und Überschwemmungen auf und tragen vielerorts zu Hunger und regelrechten Völkerwanderungen bei. Und die Aussichten sind schlecht: »Selbst wenn die existierenden Zusagen der 195 Klimakonferenzländer erfüllt würden, wäre das nicht mehr ausreichend, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen«, schätzte Klimaexperte Mithieu Orphelin. »Nach jüngsten Hochrechnungen müssen wir eher von drei bis vier Grad ausgehen.«

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