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Wo ist Schwejk?

Tschechische Nationalgalerie in Prag vermisst Kunstwerke

Die Revision war längst überfällig. Nach mehr als 15 Jahren inspizierten Beamte der Obersten Kontrollbehörde NKU die Bestände der in der tschechischen Hauptstadt Prag ansässigen Kulturinstitute. Das Ergebnis war wenig ermutigend: Die Bestandslisten von Nationalgalerie, Nationalbibliothek und der Nationalen Technischen Bibliothek stimmten nicht mit den vorhandenen Exponaten überein. So fehlten aus den Sammlungen der Galerie gleich 978 Exponate. Nebst 31 Zeichnungen der Maler Josef Lada, František Kupka und Jan Zrzavý werden auch diverse Bronzen, eine Marmorskulptur sowie ein Gemälde vermisst.

Wohin die Kunstwerke verschwunden sind, muss noch ermittelt werden. Unter anderem wurde bekannt, dass einige Zeichnungen, die in den Jahren 1999 und 2000 für eine Ausstellung »Prag 1900« an das Museum in Amsterdam ausgeliehen wurden, nicht in den Prager Bestand zurückkehrten. Aus dem Bestand Josef Ladas fehlen einige der bekannten Illustrationen des Malers zum »Braven Soldaten Schwejk« Jaroslav Hašeks.

Der Generaldirektor der Nationalgalerie, Jiři Fajt, schloss Strafanzeigen nicht aus. Für die Spezialisten der Kriminalpolizei beginnt eine wahrscheinlich lange dauernde Ermittlungsarbeit. Der Verlust wird bislang auf über 26 Millionen Kronen (0,96 Millionen Euro) geschätzt.

Fajts Vorgänger, der von 1999 bis 2011 amtierende Milan Knížák sowie dessen Nachfolger Vladimir Rösel, wiesen jede Verantwortung von sich. Knížák erklärte, zur Zeit der Revision 2012 sei er bereits abberufen worden. Rösel hingegen verwies darauf, dass zu seiner Amtszeit sich der Bestand von 250 000 auf 360 000 Exponate erhöht hätte, eindeutige Inventarlisten jedoch nicht vorgelegen hätten. Auch habe ein Mangel an Finanzen dazu geführt, dass man mit der Katalogisierung im Rückstand geblieben sei.

Das soll sich nun ändern. »Kultur wurde hierzulande lange Zeit unterfinanziert. Ich bin froh, dass sich der Trend nun zu ändern scheint und wir auch eine erforderliche Personaldecke zur Wahrung unserer Kunst- und Kulturgüter erstellen können«, erklärte Kulturminister Daniel Herman.

»Es war ein unverzeihlicher Fehler, dass nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 keine Bestandsaufnahme erfolgte«, konstatierte Kunsthistoriker Jiři Fajt. Damals wurden nicht nur die Archive der Stadt Prag und die Bibliotheksbestände vom Moldauwasser überschwemmt. Auch etliche Kunstwerke, so eine Statue des Bildhauers Karel Dvořák und weitere 35 Exponate, wurden Opfer der Fluten - oder auch bei den Aufräumarbeiten entwendet. Dies zu klären, wird eine fast unlösbare Aufgabe der Kriminalisten sein.

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