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Alte Schule

Vitali Tschurkin ist der russische UNO-Botschafter

  • Von Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 2 Min.

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Wenn er auch mit seinem Veto am Mittwochabend den Beschluss des UN-Sicherheitsrates über ein Tribunal zum Abschuss der MH17 zu Fall brachte, hat sich Botschafter Vitali Tschurkin bislang nicht als ein weiterer mürrisch wirkender »Mister Njet« profiliert. Ein Diplomat buchstäblich alter Moskauer Schule ist der 63-Jährige Russe dennoch.

Wie andere seiner Kollegen, die Stufe für Stufe die Karriereleiter erklommen, absolvierte Tschurkin das Moskauer Staatliche Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO). Er war Übersetzer bei den SALT II-Verhandlungen in Genf, arbeitete in der USA-Abteilung des Außenamtes, kam 1982 an die Botschaft in Washington, 1987 in die Auslandsabteilung des Zentralkomitees der KPdSU.

Ins Licht der medialen Öffentlichkeit geriet er erstmals 1989 als Pressesekretär des Außenministeriums und vor allem danach bis 1992 als Leiter der Informationsabteilung des Ministeriums.

Selbst größte Erschütterungen konnten dem straffen, sachlich-soliden und höflich-zurückhaltenden Herrn im dunklen Anzug nichts anhaben. Er begleitete in seinem Amt, das als Pressechef nur höchst unvollkommen bezeichnet wäre, ohne Unterbrechung die internationalen Korrespondenten im Pressezentrum am Subowski Boulevard von der Sowjetunion nach Russland. Der Botschafter selbst gelangte über Brüssel, London und Ottawa nach New York. Dort kann er im UNO-Hauptquartier in Manhattan nächstes Jahr im April sein zehnjähriges Jubiläum als Ständiger Vertreter seines Landes begehen.

Bei der UNO absolviert der verheiratete Vitali Tschurkin die wohl schwierigste Periode seiner Laufbahn. Nach Art des Kalten Krieges sind die Fronten zwischen Russland und dem Westen verhärtet. Angesichts der Ukrainekrise sieht sich Moskaus Vertreter wachsendem Druck und der Drohung internationaler Isolation ausgesetzt. Wenn sein Land das Tribunal auch ablehne, wolle es doch die Schuldigen am Abschuss ermitteln und bestrafen, versicherte er. Soll solche Bereitschaft glaubhaft vermittelt werden, kann Diplomatie alter Schule kaum schaden.

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