Australisches Gericht bremst Bergwerk aus

Regierung setzt sich dennoch für Kohleabbau ein

Australiens Wirtschaft fußt auf der klimaschädlichen Kohle. Da freut es Umweltschützer, dass das oberste Gericht den Start eines riesigen Kohlebergwerks aufhält.

Sydney. Das höchste Gericht Australiens hat den Start eines riesigen Kohlebergwerks im Bundesstaat Queensland vorerst gestoppt. Die Genehmigung der Regierung sei ausgesetzt, teilte das Umweltministerium am Mittwoch mit. Umweltschützer hatten gegen die Genehmigung für die Kohlemine geklagt und argumentiert, sie werde enorme Mengen von klimaschädlichem Treibhausgas produzieren und hätte negative Folgen für gefährdete Arten. Zudem seien die Umweltauflagen nicht ausreichend.

Die im Tage- und Untertagebau geförderte Kohle soll über 189 Kilometer per Zug zum Verladehafen Abbot Point gebracht und dann nach Indien verschifft werden. Abbot Point liegt in der Nähe des weltberühmten Great Barrier Reefs. Das geplante Bergwerk mit dem Namen Carmichael kostet die indische Betreiberfirma Adani 16,5 Milliarden australische Dollar (11,08 Milliarden Euro) und soll jährlich 60 Millionen Tonnen Kohle abwerfen. Damit könnte sie nach Regierungsangaben die größte in Australien und eine der größten weltweit werden. Mit der Kohle könne Strom für bis zu 100 Millionen Inder produziert werden.

Die Regierung hatte die Pläne im Juli vergangenen Jahres genehmigt. Der Federal Court in Sydney stoppte dies nun nach Angaben des Umweltministeriums wegen »Mängeln im Genehmigungsverfahren«. Demnach hätten Gutachten, die zur Entscheidung von Umweltminister Greg Hunt für die Kohlemine führten, »in einer bestimmten Form« vorliegen müssen. Es handle sich um eine »verwaltungstechnische« Sache. Es werde voraussichtlich sechs bis acht Wochen dauern, die Gutachten regelkonform zu erstellen, so dass Hunt erneut entscheiden könne.

Adani kündigte umgehend an, seine Pläne weiterzuverfolgen. Es sei »bedauerlich«, dass ein »technischer, juristischer Fehler« des Umweltministeriums die Genehmigung »einer gegensätzlichen Entscheidung aussetzt«, erklärte das Unternehmen. »Uns ist gesagt worden, dass gewisse Dokumente fehlten.« Es sei besser, dieses Problem jetzt anzugehen. Das Projekt soll nach Angaben von Adani 10 000 Arbeitsplätze schaffen.

Dies bestreiten jedoch Umweltschützer. Sie gehen davon aus, dass maximal rund 1400 neue Jobs geschaffen werden. Stattdessen werde die Mine jährlich zwölf Milliarden Liter Wasser verbrauchen und so das bestehende Problem der Wasserknappheit massiv verschärfen. Insofern begrüßten die Aktivisten das Urteil. »Dies ist ein historischer Sieg für das Weltklima und die zerbrechlichen Ökosysteme in West-Queensland und im Great Barrier Reef«, schrieb die Mackay Conservation Group in einer Mitteilung.

Australien ist der größte Kohleexporteur der Welt. Außerdem deckt der fünfte Kontinent 70 Prozent seines Energiebedarfes mit Hilfe dieser fossilen Ressource. Deswegen gilt Australien als größter Klimasünder der Welt. Zwar stößt China, absolut gesehen, mehr CO2 aus. Doch pro Kopf führt Down Under unrühmlicherweise noch vor den USA und Saudi-Arabien. nd/Agenturen

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