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Heißer Sommer

Gerd Natschinski ist tot

Das von ihm komponierte Musiktheaterstück »Messeschlager Gisela« (1960) steht beispielhaft für das kulturpolitische Bestreben, in der noch jungen DDR eine neue, zeitgemäße Form der Operette zu etablieren. Mit eingängigen Nummern musikalisch raffiniert getragen, wird die Geschichte rund um die junge Modedesignerin Gisela und ihren Betrieb, den VEB Schick, so erzählt, dass sich die neuen sozialistischen Produktions- und Arbeitsweisen wie selbstverständlich als Gegenstand der leichten, unterhaltsamen Muse behaupten.

Unter den 13 Musiktheaterstücken, die Natschinski komponierte, erlangte die Operette »Mein Freund Bunbury« (1964) nach Oscar Wilde geradezu Weltgeltung. Öfter als 150 Mal wurde es auf Bühnen im In- und Ausland inszeniert. Doch nach dem Ende der DDR schien das Interesse auf einen Schlag erloschen. Von Ausnahmen abgesehen, kam kaum noch ein Werk von Natschinski oder Kollegen wie Guido Masanetz auf irgendeine Bühne. Immerhin: Im vergangenen Jahr erinnerte sich die Musikalische Komödie in Leipzig an Natschinskis »Bunbury«, und die Freiluftoperette in Rüdersdorf bei Berlin übte sich - nach 13 Jahren ohne eine einzige Inszenierung des Stücks - an einem Wiederbelebungsversuch des »Messeschlagers«.

Natschinski, 1928 in Chemnitz geboren, war Meisterschüler Hanns Eislers und konzertierte bereits im Alter von 20 Jahren. 1952 wurde er Chefdirigent des Großen Tanz- und Unterhaltungsorchesters beim Berliner Rundfunk. Das Metropol-Theater, erste Adresse des Operetten- und Revuetheaters in der DDR, wurde von 1978 bis 1981 von ihm als Intendant geführt. Natschinski war Träger des Nationalpreises der DDR und als Mitglied der LDPD, der er 1969 beigetreten war, ein Jahrzehnt lang auch Abgeordneter der Volkskammer.

Die größte Wirkung aber erzielte er mit seinem unermüdlichen musikalischen Schaffen. Neben den Bühnenwerken komponierte er die Musik zu 70 DEFA-Filmen, darunter die Musikkomödie »Heißer Sommer« (1968) mit Chris Doerk und Frank Schöbel. Viele der rund 400 Lieder aus seiner Feder - etwa »Zwei gute Freunde«, interpretiert von Fred Frohberg oder »Damals« (Bärbel Wachholz) - waren weithin beliebt. Bis zuletzt soll Natschinski gern und fleißig gearbeitet haben. Am 4. August starb er in einem Berliner Krankenhaus, wie sein Sohn, der Musiker Thomas Natschinski, am Freitag bekanntgab. mha

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