Gesinnungstest

Personalie: Ein Musikfestival hatte den 
jüdischen Sänger Matisyahu ein-, dann aus-, dann eingeladen.

  • Von Celestine Hassenfratz
  • Lesedauer: 2 Min.

»Mein ganzes Leben habe ich darauf gewartet, dass die Menschen nicht mehr kämpfen - people say that we don’t wanna fight no more.« Ob der amerikanische Reggae-Musiker Matisyahu diese Botschaft auch wirklich ernst meint, die er in seinem Lied »One Day« besingt, wollte ein spanisches Musikfestival auf die Probe stellen. Eigentlich hatte das Rototom Sunsplash, das größte Reggae-Festival Europas, den Reggae-Sänger, der mit bürgerlichem Namen Matthew Miller heißt, eingeladen, um auf der Hauptbühne zu spielen. Zum Hauptgesprächspunkt machten die Veranstalter des Festivals den Künstler dann tatsächlich, jedoch anders als erwartet.

Weil Matisyahu Jude ist, verlangte das Festival von ihm, dass er sich vor seinem Auftritt einer Gesinnungsprobe unterzieht. Er sollte ein Papier der pro-palästinensischen Organisation BDS unterschreiben, das die Existenz eines Palästinenserstaates fordert. Matisyahu weigerte sich, seine Musik spreche für sich, er wolle keine Politik darin einfließen lassen. Es sei »schockierend und beleidigend, zu einer politischen Aussage gezwungen zu werden«, schrieb Matisyahu auf Facebook. Die Veranstalter luden den Sänger kurzerhand wieder aus, der World Jewish Congress warf dem Festival daraufhin »einen klaren Fall von Antisemitismus« vor, die lokale BDS-Gruppe in Valencia hingegen dem Sänger Zionismus.

Der aus Pennsylvania stammende Musiker wurde säkular erzogen. Als Jugendlicher fand er den Weg zum Chassidismus, dem ultra-orthodoxen Judentum. Mit langem Bart, Schläfenlocken und großem Hut trat er auch in Israel auf. Seine Texte handeln oft von seiner Beziehung zu Gott. Sie scheint eine schwierige zu sein. 2011 wendete sich Matisyahu vom chassidischen Judentum ab, zeigte sich ohne Bart und kündigte »Musik der Wiedergeburt« an.

»Mein Ziel ist es, Musik für alle zu machen, egal welcher Rasse, oder Glaubensrichtung«, machte Matisyahu seinen Standpunkt klar. Am Mittwochmittag folgte die Reaktion der Veranstalter: Sie entschuldigten sich und luden den Musiker wieder zum Festival ein.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung