Werbung

Festival: Drei Tage offenes Berghain

»Pop-Kultur«, der Nachfolger der Music Week, beginnt an diesem Mittwoch

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Unter dem Motto »It began in Berlin« treten vom 26. bis zum 28. August über 60 internationale Künstler auf. »Pop-Kultur« setzt auf die Vernetzung von Musik, Technologie und Wissenschaft.

Helene Fischer und David Guetta, also Schlager und wummernde Electronic Dance Music: Das beides verkauft sich in Deutschland. Aber wie tickt die Szene heute jenseits der Massen? Darum geht es beim neuen Berliner Festival Pop-Kultur vom 26. bis 28. August. Es ist der Nachfolger der Music Week. Jetzt gibt es geballt an drei Tagen an einem Ort 60 Konzerte, Diskussionen, Lesungen und Workshops.

Schauplatz ist das Berghain mit seinen riesigen alten Kraftwerkshallen. Beim Festival kommt man mit Tickets hinein, ohne die berüchtigte Türkontrolle. Die Zielgruppe ist breit. »Im Berghain ist das Publikum, man glaubt es ja nicht, bis locker 70«, sagt Kurator Martin Hossbach (39). »Wir richten uns an Leute, die sich ein kleines bisschen mehr für Musik interessieren, als sich vom Radio berieseln zu lassen.«

Das Festival will eine Mischung bieten aus bekannten Namen wie Neneh Cherry oder den Leuten von New Order und Musikern, die bisher niemand kennt: Isolation Berlin, Chuckamuck oder Die Nerven. Schauspieler Elijah Wood wird als DJ auflegen. Die in Berlin lebende Schweizer Sängerin Sophie Hunger will mit Überraschungsgästen auftreten. Nachwuchsstar Balbina trägt Gedichte vor. Ähnlich wie beim Theater gibt es Uraufführungen und deutschsprachige Erstaufführungen.

Das Festival wird vom Berliner Musicboard ausgerichtet, das zum Senat gehört. Die wirtschaftlich eher klamme Hauptstadt weiß, wie wichtig ihre kreative Szene ist.

Das Musicboard hat mit 1,7 Millionen Euro im Jahr verglichen mit großen Bühnen einen eher kleinen Etat. Chefin Katja Lucker (45) guckt aufs Geld. Ihr Büro ist mit ausrangierten Möbeln aus dem Rathaus eingerichtet. Sie kennt natürlich die Debatten, ob staatliches Geld nicht irgendwie uncool ist für die Szene und ob Berlin nicht ohnehin langweilig wird.

»Es kommen immer noch sehr viele Menschen aus dem Ausland nach Berlin, um hier Musik zu machen, ein Label oder einen Club zu eröffnen«, sagt Lucker. »Denen helfen wir. Wir haben immer noch mehr Clubs als alle anderen deutschen Städte und vielleicht auch als London.« Es sei immer noch sehr vital. »Diese Coolness-Debatte finde ich langweilig.« Was früher in den 80er Jahren Musiker Blixa Bargeld und Regisseur Oskar Roehler in West-Berlin gefunden hätten, das gebe es schon auch noch. »Wir sind nur alt und wissen nicht wo.«

Hossbach, der 2002 mit dem Branchenriesen Universal nach Berlin kam, sagt: »Ich würde sofort abhauen, wenn ich es hier nicht mehr interessant fände.« Er mag, dass die Stadt so international geworden ist.

Berlin wird teurer, das hat auch Folgen für die Musik. Bands finden beispielsweise weniger Probenräume. »Immer wenn ein privater Mensch etwas kauft oder verkauft, hat man wenig Spielraum«, sagt Lucker. »Wir versuchen, mit Investoren zu reden. Das ist ein Thema, das uns die nächsten Jahre beschäftigen wird.« Beim Festival soll es um die Künstler gehen, nicht um Content, Branche, Verband oder Lobby, sagt Lucker. »Wir finden es interessant, was Künstler zu sagen haben, die unmittelbare Sicht. Was heißt es 2015: Ich bin Musiker?« Nicht gut fände sie es, wenn die Leute wie bei einer Vernissage nur rumstehen und sich nicht mit der Kunst beschäftigen würden. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!