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Mit Blockupy gegen die Goldmine

Demonstration und Diskurse beim Protestcamp von Beyond Europe in Nordgriechenland

  • Von John Malamatinas, Ierissos
  • Lesedauer: 3 Min.

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Tränengas und Verhaftungen bei einer Demonstration gegen eine Goldmine: Trotz der Drangsalierung durch die Polizei - das Blockupy-Protestcamp in Griechenland wird von seinen Organisatoren als sehr erfolgreich bezeichnet.

Mit Tränengas und Verhaftungen seitens der Polizei endete ein internationales Camp in der nordgriechischen Region Chalkidiki, das eine Woche lang die schwierige Balance zwischen Aktion und Diskussion zu meistern versucht hatte.

Über 400 Aktivisten aus 14 Ländern waren dem Aufruf des antikapitalistischen Netzwerks Beyond Europe gefolgt, um einerseits die transnationale Vernetzung voranzutreiben, anderseits die lokale Bevölkerung in ihrem Kampf gegen die Goldminen zu unterstützen. Allein aus Deutschland beteiligten sich etwa 200 Protestcamper aus 15 Städten. Darunter auch viele aus der Blockupy-Bewegung, die im März Blockaden gegen die Eröffnung des Sitzes der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main mit organisiert hatten.

Zeitpunkt und Ort des Camps in Chalkidiki konnten nicht besser ausgewählt sein. Das Verhältnis zur griechischen Regierung ist lokal ein heißes Thema. Seit sechs Monaten wartet die Bewegung auf die Einlösung des Wahlversprechens von Premier Alexis Tsipras, einen sofortigen Stopp des Projekts der kanadischen Firma Eldorado Gold zu veranlassen. Beim Amtsantritt von Tsipras befand sich die Bewegung infolge staatlicher Repression, aber auch weil sie den Versprechungen der Politiker Glauben geschenkt hatte, an einem Tiefpunkt.

Während des Camps kam dann die große Überraschung: Der neue Umweltminister Panagiotis Skourletis des Kabinetts Tsipras annoncierte den sofortigen Stopp der Arbeiten in der Mine nahe dem Ort Skouris. Als Begründung wurde genannt, dass Hellas Gold, die Tochtergesellschaft des kanadischen Unternehmens Eldorado, Belege für die Umwelttauglichkeit seiner Abbaumethoden schuldig geblieben sei. Viele Einwohner bejubelten die Entscheidung, andere blieben skeptisch: Maria Koroni vom Komitee von Megali Panagia äußerte die Befürchtung, dass »es sich um ein Wahlkampfmanöver von SYRIZA handeln könne und die Arbeiten danach fortgesetzt werden«.

Beim Camp stand aber weit mehr auf der Tagesordnung. Ein Besuch der Homepage camp.beyondeurope.net zeigt das ambitionierte Programm - eine bunte Mischung aus Workshops und Versammlungen auf dem Gelände am Strand von Ierissos und Veranstaltungen in den umliegenden Dörfern. So wurde in Megali Panagia nach einer Bergwanderung zu den Baustellen der Goldminen auf dem zentralen Platz über Selbstorganisierung informiert. Auf dem Dorfplatz von Ierissos diskutierten Vertreter von der linken Organisation ANTARSYA, dem Netzwerk Antiautoritäre Bewegung und der Regierungspartei SYRIZA über die aktuelle Situation in Griechenland und den Konflikt zwischen Partei und sozialen Bewegungen.

Sahra Bechtel von der Frankfurter Gruppe Kritik & Praxis äußerte sich erstaunt über den Rückhalt, den der Kampf, aber auch das Camp, bei der Bevölkerung erreicht haben: »In den Tavernen und Geschäften von Ierissos empfingen uns die Einwohner begeistert. Sie bedankten sich bei jeder Gelegenheit für die transnationale Unterstützung ihres ökosozialen Kampfes.«

Zur Abschlussdemonstration am Sonntag waren etwa 2000 Demonstranten mit Bussen und Pkw zum Berg Skouris gefahren, um gegen den umweltschädlichen Goldabbau zu protestieren. Auch die Jugend von SYRIZA hatte mobilisiert. Beim Versuch, die Baustelle zu erreichen, kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Staatsmacht antwortete mit massivem Tränengaseinsatz. Ingesamt 78 Demonstranten aus Griechenland, Deutschland, Italien, Polen, Bulgarien und weiteren Ländern wurden zum Polizeirevier in Polygyros gebracht.

Ein Schnellgericht verurteilte am folgenden Tag zwei Deutsche, einen Franzosen und einen Italiener wegen Beteiligung an gewaltsamen Protesten zu je eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung. Von der Justiz in Thessaloniki hieß es, die vier würden voraussichtlich in ihre Herkunftsländer abgeschoben. Alle anderen wurden freigelassen.

Trotz der Repression bewerteten die lokalen Komitees in ihren Erklärungen die Mobilisierung als Erfolg: »Zum ersten Mal in diesem Jahr seien so viele Menschen am Berg gewesen, um ihr Anliegen zu verteidigen.« Nontas Skyftoulis von der Antiautoritären Bewegung Athen betonte, wir seien »am richtigen Ort mit den richtigen Leuten zum richtigen Zeitpunkt« gewesen.

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