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Den Kapitalismus mehr und mehr ersetzen

Auf dem Projekthof Wukania im brandenburgischen Ort Biesenthal erprobt man das solidarische Zusammenleben

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Teilen statt besitzen - dies könnte das Prinzip für eine neue postkapitalistische Gesellschaftsform sein. In Biesenthal probieren dies 36 Menschen gemeinsam aus.

Am Ende durften die Besucher noch kurz selbst anpacken. Ein Bewohner des Projekthofes Wukania erklärte, dass Platz geschaffen werden müsse für neues Holz, denn langsam, aber sicher naht der Winter. Dafür müsse ein Teil der Scheite, die am Eingang des Hofes liegen, abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgestapelt werden. Also wurden Arbeitshandschuhe und Schubkarren gebracht. Die einen luden das Holz in die Karren, die anderen transportierten es von A nach B und wieder andere stapelten es wieder auf. Nach einer guten Stunde war der Arbeitseinsatz vorbei. Zwar blieb einiges Holz übrig, das noch umgeschichtet werden muss. Dafür erhielten die rund 30 Besucher, die im Rahmen der Wandelwoche des SOLIKON-Kongresses gekommen waren, einen kleinen Einblick, wie es ist, in einem ökologisch-politischen Projekthof zu leben.

Wukania nennt sich das Gemeinschaftsprojekt im brandenburgischen Örtchen Biesenthal - in Anlehnung an den Großen Wukensee, an dessen Ufer sein Gelände liegt. Seit 2009 besteht der Projekthof. Zunächst zogen neun Personen in eines der beiden Bettenhäuser. Eine zweite Wohngruppe kam 2012 hinzu. Gekauft wurde das drei Hektar große Gelände, das einst einem DDR-Sportverein gehörte, von der Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit (PaG), einem Netzwerk von Gemeinschaftsprojekten und Einzelpersonen.

»Wir entschärfen Privateigentum an Grundstücken und Immobilien, indem wir diese kollektiv besitzen, verwalten und NutzerInnengruppen/Gemeinschaftsprojekten langfristig leihen«, schreibt die PaG in ihrer Selbstdarstellung. Man unterstütze sich gegenseitig, ohne die erbrachte Leistung gegeneinander aufzurechnen. Neben Wukania haben sich bei der PaG auch eine Projektgruppe in Straußberg und eine in Karlshof bei Templin organisiert.

Bisher hat es 36 Menschen nach Biesenthal verschlagen, die auf zwei Häuser und zwei Wohngruppen verteilt leben. Darunter sind elf Kinder. Ungefähr noch mal dieselbe Anzahl an Menschen engagiert sich in den verschiedenen Projekten auf dem Hof, »mit der Hoffnung, den Kapitalismus mehr und mehr ersetzen zu können«, wie es Bewohnerin Jenny ausdrückt. Denn auf dem Hof soll zumindest ein Stück weit die Logik des Marktes und des Geldes durchbrochen werden.

Deswegen hatte sich Jennys Wohngemeinschaft auch für eine Holzheizung entschieden, die im Erdgeschoss des Hauses steht. Sie macht zwar mehr Arbeit als eine Gasheizung, muss im Winter an- und nachgefeuert werden. Doch dafür ist sie nicht nur klimafreundlicher, weil sie einen nachwachsenden Brennstoff verfeuert, sondern macht auch unabhängiger. Schließlich muss das Holz nicht unbedingt gekauft werden. Soweit möglich, schlagen die Bewohner von Wukania es selbst.

Und auch sonst lebt man hier nach den Prinzipien »lieber selber machen statt kaufen« und »lieber teilen statt besitzen«. In einem kleinen Garten wird ein Teil des Gemüses, das die Bewohner essen, angebaut. Der Rest wird im Biogroßhandel bestellt. Das Geld dafür wird mittels des sogenannten White-Box-Verfahrens gesammelt. Jeder gibt so viel, wie er für angemessen hält. Jedoch ist es auch für jeden transparent, wer wieviel in die gemeinsame Kasse legt. Mittags wird dann für alle gekocht. Auch das geschieht eher freiwillig, wie Jenny erzählt: »Es gibt Leute, die kochen häufig, andere fast nie. Es klappt aber gut.« Quasi wie in einer großen, harmonischen Wohngemeinschaft.

Als reines Wohnprojekt wollen Jenny und Co. Wukania jedoch nicht verstanden wissen. »Wenn der Hof keine Außenwirkung mehr besitzt, uns niemand mehr wahrnimmt«, formulieren sie ein Kriterium, in dessen Fall sie ihr Projekt für gescheitert erklären würden. Deswegen engagieren sie sich in Umweltgruppen vor Ort und als Unterstützer für Flüchtlinge. Im Sommer öffnet Wukania seine Pforten für Gruppen, die auf dem Gelände kostenlos Seminare abhalten wollen.

Und vor allem organisieren sie in Biesenthal einen Verschenkemarkt, auf dem die Einwohner alte Sachen verschenken können und auch ein bisschen lernen, dass teilen besser ist als besitzen. Zumindest, wenn es um alte Sachen geht, die man nicht mehr braucht.

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