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Schiffe und der Umsatz an Land

Kuchen, Finanzdienstleistungen oder Dialyse - für die Zulieferindustrie wird der Tourismus auf hoher See immer attraktiver

  • Von Hermannus Pfeiffer, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.
Urlaub auf hoher See wird immer beliebter. Die Kreuzfahrtindustrie wächst und mit ihr die Herausforderungen und Chancen für Zulieferer.

Deutschland ist erstmals Europameister in Sachen Kreuzfahrten. Rund 1,8 Millionen Deutsche verbrachten 2014 ihren Urlaub auf dem Meer - damit löst die Bundesrepublik den bisherigen europäischen Primus Großbritannien ab. Weltweit liegen nur die Amerikaner vor den deutschen Kreuzfahrtfans. Und noch scheint das Potenzial nicht ausgeschöpft: »Bis 2016 wollen wir die Zwei-Millionen-Marke knacken, bis 2020 peilen wir noch einmal eine weitere Million Passagiere an«, so Michael Ungerer, Vorsitzender des Branchenverbandes CLIA Deutschland. Ganz Europa ist »im Kreuzfahrt-Fieber«: 6,4 Millionen Europäer unternahmen im vergangenen Jahr eine Kreuzfahrt. Auch für das laufende Jahr stehen die Zeichen auf Wachstum. Weltweit soll es in diesem Jahr erstmals mehr als 23 Millionen Passagiere geben. Vor allem in China und Asien, mit seinem neuen reisefreudigen Mittelstand, wächst die Traumschifffahrt mit zweistelligen Raten.

Der wachsende Markt zieht auch immer mehr Zulieferer an. Ein Großteil der 250 Aussteller aus über 50 Ländern auf der »Seatrade Europa«, der europäischen Leitmesse für die Kreuzschifffahrt, ist erstmals mit einem eigenen Stand in den Hamburger Messehallen vertreten. Es geht um einen Kuchen von rund sechs Milliarden Euro, den die 60 Kreuzfahrtlinien für ihre Schiffe in Europa an Waren und Dienstleistungen ordern: Für Sahneschnitten und Cocktails, Kartoffeln und Klopapier, Putzmittel und Reinigungskolonnen, die im Hafen die Schiffe wieder flott machen, für Ausflugsveranstalter und Finanzdienstleister.

Auch Banken finden Gefallen am Geschäft auf hoher See. »Wie im Fußballstadion funktionieren unsere Karten«, erklärt der Messesprecher von Wirecard seine Prepaid-Karten, die den Bezahlvorgang an Bord vereinfachen. »Nichts ist teurer als Bargeld.« Der neue Edel-Pullover im Luxusladen oder der Drink am Abend werden per Bordkarte bezahlt. Auch Matrosen, Köche und Servicekräfte werden von Reedereien mit Karten der Vollbank aus dem bayerischen Aschheim bezahlt. Diese werden nach Hause auf den Philippinen, Thailand oder Ukraine geschickt und dort sicher bei Post, Bank oder globalen Finanzdienstleistern wie Western Union eingelöst.

»Urlaub auf dem Wasser ist das am schnellsten wachsende Reisesegment«, freut sich Messechef Bernd Aufderheide. Dazu musste die Branche ihr Rentnerimage ablegen. Dennoch werben auch ein Hersteller klappbarer Rollstühle, die selbst in kleine Kabinen passen, und ein Anbieter von Dialyse um die Gunst der Reedereien.

Doch der Markt wächst nur so schnell, wie das Angebot wächst. Entsprechend positiv ist die Stimmung am Stand der Meyer Werft aus Papenburg, tief im niedersächsischen Binnenland. Im Februar ist die »Anthem of the Seas« vom Stapel gelaufen - mit 348 Metern Länge das größte je in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff. Und schon jetzt kann sich die Meyer-Werft, die sich mit einer italienischen und einer französischen Werft den Weltmarkt teilt, über weitere Aufträge freuen. Der US-Konzern Carnival will von 2019 bis 2022 vier neue Kreuzfahrtschiffe für seine verschiedenen Marken, darunter die Rostocker AIDA, bauen lassen. Das Auftragsvolumen dürfte über drei Milliarden Euro betragen. Die Seatrade-Messe läuft am Freitag in den »Hamburg Cruise Days« aus: Sieben Schiffe, darunter die »Queen Mary 2«, werden am Wochenende hunderttausende Besucher in die Hansestadt locken - und die Luft belasten.

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