Flüchtlinge haben oft nicht einmal Schuhe

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 2 Min.
Eisenhüttenstadts Bürgermeisterin Dagmar Püschel (LINKE) fühlt sich von der rot-roten Landesregierung im Stich gelassen.

»Es herrscht Chaos«, sagte Bürgermeisterin Dagmar Püschel am Freitag. In ihrer Heimat Eisenhüttenstadt befindet sich die Erstaufnahmestelle des Landes Brandenburg für Flüchtlinge. Von rund 3000 Flüchtlingen leben dort derzeit etwa 2000 in Zelten.

In einem Brief an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) forderte Püschel, besser informiert und besser in Entscheidungen einbezogen zu werden. So chaotisch, wie es derzeit sei, könne es nicht weitergehen. »Ich laufe den Dingen hinterher«, beklagte Püschel. Sie forderte, dass die Verantwortlichen im Innenministerium »vor Ort« erscheinen und mit Blick auf die Gegebenheiten ihre Entschlüsse fassen.

Noch vor vier Wochen habe die Landesregierung der Stadt versichert, eine höhere Kapazität als für 2300 Flüchtlingen sei in Eisenhüttenstadt nicht erforderlich und werde auch nicht aufgebaut. Das gelte nun nicht mehr. »Das Land muss uns sagen, wo es eigentlich hin will«, verlangte die Bürgermeisterin. Sie sei für klare Worte, unterstrich sie. Wenn die Lage nicht mehr beherrschbar sei, dann müsse das gesagt werden. »Das ist eine Krise, und es ist ein Unding, dass es keine Informationen gibt.«

Flüchtlinge kämen Püschel zufolge nachts am Bahnhof an, viele mit Kindern. Der Weg zur Erstaufnahmestelle sei weit, und niemand sei auch nur telefonisch darauf aufmerksam gemacht worden. »Das lief alles andere als geordnet ab.« Aufgrund des Durcheinanders habe die Registrierung der am Montag Angekommenen erst am Freitag abgeschlossen werden können. Püschel gestand der Landesregierung zu, von den Flüchtlingsschüben der vergangenen Tage überrascht worden zu sein. »Aber die Anzahl der Flüchtlinge steigt seit zwei Jahren. In dieser Zeit von 300 auf nun 3000.«

Mit Blick auf den bevorstehenden Herbst erklärte Püschel, die Gefahr von Erkältungskrankheiten der Zeltbewohner nehme zu. Sie seien gezwungen, ihre Wäsche im Zelt zu trocknen. Viele hätten nicht einmal Schuhe, liefen in Flipflops herum.

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