Vor dem Kollaps

Olaf Standke über die Krise in Nordirland

Während Nordirlands Fußballer vor dem erstmaligen Einzug in die EM-Endrunde stehen, droht dem Friedensprozess im politischen Belfast eine schwere Niederlage. Nachdem schon die Ulster Unionist Party das Kabinett verlassen hat, legten nun auch fast alle Minister der Democratic Unionist Party ihre Ämter nieder. Nur Finanzministerin Foster nicht, die das Amt von Regierungschef Robinson übernimmt, damit die Regierung formal handlungsfähig bleibt. Doch steht die Koalition, die seit Monaten heftig um das Budget sowie eine Sozialhilfereform streitet und in einer tiefen Vertrauenskrise steckt, endgültig vor dem Kollaps. Das royalistisch-protestantische Lager wirft dem linken Regierungspartner vor, die Irish Republican Army (IRA), einst bewaffneter Arm der proirischen katholischen Bewegung, sei weiter aktiv. Sinn Feín hat das immer zurückgewiesen. Doch die Friedensdividende aus dem Karfreitagsabkommen stockt schon länger; der Friedensprozess hat offensichtlich keine wirklichen Wurzeln in einer Gesellschaft geschlagen, die durch einen jahrzehntelangen bewaffneten Konflikt traumatisiert ist. So wächst nicht nur in Belfast die Sorge, dass die Entwicklung mehr ist als nur vorgezogener Wahlkampf für das Regionalvotum nächstes Jahr und Nordirland auf dem Weg zurück sein könnte in eine überwunden geglaubte Vergangenheit.

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